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Klettenberg

Der Ortsteil Klettenberg ist mit seinen 323 Einwohnern (Stand: 31.12.2021) der zweitgrößte Ortsteil in der Gemeinde Hohenstein. Seit der Sanierung des ehemaligen Rittergutes befindet sich dort der Sitz der Gemeindeverwaltung Hohenstein.

 

In Klettenberg gibt es unterschiedliche Gewerbe, darunter die Tierarztpraxis von Dr.med.vet. Herbert Scholz und seinem Sohn Tierarzt Christian Scholz. Der größte Arbeitgeber in Klettenberg ist die Nordthüringer Lebenshilfe gGmbH.

 

Zudem befinden sich in diesem Ortsteil die Kindertagesstätte "Hohensteiner Burgspatzen", die staatliche Grundschule "Thomas Müntzer" Klettenberg und eine Turnhalle.

 

Eine besondere Attraktion ist in jedem Sommer das Neptunfest im Freibad Hohenstein. Veranstalter ist der Kultur- und Geschichtsverein Clettenberg e.V..

 

 

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Kirche

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Kita

Geschichte

Kurzer geschichtlicher Abriss des Ortsteiles Klettenberg
Klettenberg wurde erstmals 1187 urkundlich erwähnt. Kein geringerer, als Kaiser Friedrich der I. Barbarossa, soll in der Zeit zwischen 1183 und 1187 die Grafschaft Clettenberg erschaffen und Albert Graf von Clettenberg in den Adelsstand gehoben haben. Der Stammsitz der Grafen von Clettenberg war die wahrscheinlich schon um 1087 erbaute Burg Clettenberg. Leider lässt sich diese Jahreszahl nicht nachweislich belegen. 1256 geht die Burg Clettenberg an die Hohnsteiner Grafen. Der Letzte des Clettenberger Grafengeschlechts stirbt um 1319. Der Besitz der Grafschaft Hohnstein wechselt nun mehrfach: erst an den Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, nach dem Dreißigjährigen Krieg an das Kurfürstentum Brandenburg, 1648 gibt der große Kurfürst von Brandenburg die Grafschaft zu Lehen an die Grafen von Sayn-Wittgenstein, das aber bereits 1699 wieder eingezogen wird. Danach ist die Burg Clettenberg preußische Staatsdomäne, die bis 1945 existiert. 1806 wurde Clettenberg von den Franzosen okkupiert und gehörte bis 1813 dem Königreich Westfalen. Mit der Errichtung der Provinz Sachsen im Jahre 1815 wurde das Lohra-Clettenberger Gebiet mit der 1802 preußisch gewordenen einstigen Freien Reichsstadt Nordhausen zu dem Landkreis Nordhausen zusammengeschlossen. Der alte Gebietsname verschwindet. Erst, als die Stadt Nordhausen 1882/1883 aus dem Kreisverband ausschied, nahm der verbliebene Landkreis Nordhausen 1888 mit königlicher Erlaubnis den Namen „Kreis Grafschaft Hohenstein“ an. Der Name „Kreis Grafschaft Hohenstein“ wird nun bis zum 19. Oktober 1945 geführt und dann in „Landkreis Nordhausen“ umbenannt, wie er heute noch heißt. Mittlerweile gehen die Gebiete der einstigen Grafschaft Hohenstein und Clettenberg verwaltungstechnisch wieder getrennte Wege und unsere Verwaltungsgemeinschaft mit den neun Ortsteilen Branderode, Holbach, Klettenberg, Liebenrode, Limlingerode, Obersachswerfen, Mackenrode, Schiedungen und Trebra hat den Namen „Verwaltungsgemeinschaft Hohenstein“ angenommen.


Klettenberg ist mit 334 Einwohnern (Stand: 31.12.2012) der zweitgrößte Ortsteil unserer Verwaltungsgemeinschaft. Bereits zu DDR-Zeiten hatte die zentrale Verwaltung der Ortsteile Branderode, Liebenrode, Limlingerode, Obersachswerfen, Mackenrode und Klettenberg ihren Sitz im ehemaligen „Großen Schellerschen Gut“. Seit 1994 steht das Wohnhaus dieses Rittergutes unter Denkmalschutz. 1999 fasst der Hohensteiner Gemeinderat den Beschluss zur Restaurierung des Rittergutes mit anschließender Nutzung durch die Gemeindeverwaltung. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 2003 und endeten im Oktober 2005. Damit ist wieder ein historisches Gebäude der ehemaligen Grafschaft Hohenstein Sitz der gemeinsamen Verwaltung. Zudem kann hier geheiratet werden. Ein Trauzimmer und das Foyer mit einer massiven Holztreppe und großem Bleiglasfenster aus den 20er Jahren bieten ein edles Ambiente.


Klettenberg hatte bis zur Wiedervereinigung eine 10-klassige Oberschule, die POS Thomas Müntzer. Mit der Schulreform des Landkreises und der Freiheit der Eltern, die gewünschte Schule für ihre Kinder wählen zu können, gingen die Schülerzahlen in Klettenberg stark zurück. In Verbindung mit Baumängeln am Schulgebäude wurde dieses 2003 zunächst geschlossen und 2019 vollständig abgerissen. Verblieben ist der Anteil der Grundschulkinder. Diese sind seit der Schließung der POS im Stabsgebäude der vormals in Klettenberg stationierten Grenztruppen untergebracht. Erfreulich ist die derzeit laufende Planung für ein neues Grundschulgebäude auf dem Standort der ehemaligen POS. Sollte dies gelingen, könnte auch die benachbarte Turnhalle wieder besser von den Schulkindern genutzt werden. Zurzeit müssen sie den gesamten Ort durchqueren, da sich das jetzige, als Grundschule genutzte Stabsgebäude, am entgegengesetzten Ortsrand befindet. Neben der Nutzung der Turnhalle für den Schulunterricht, ist sie Trainingsort des Klettenberger Tischtennisvereins und der Frauensportgruppe. Derzeit wird die Turnhalle umfassend instandgesetzt.


Zur 1968 eröffneten POS Thomas Müntzer gesellte sich 1970 das Klettenberger Freibad. Es ist ein touristisches Highlight der gesamten Gemeinde und Besuchermagnet beim jährlich im Sommer stattfindenden Neptunfest. Bauliche Mängel führten 2022 leider zur Schließung des Freibades. Die für eine umfassende Instandsetzung erforderlichen finanziellen Mittel kann die Gemeinde alleine nicht aufbringen. Der mittlerweile gegründete Förderverein „Freibad Hohenstein“ hat sich zum Ziel gesetzt, das in die Jahre gekommene Freibad gemeinsam mit der Verwaltung und den Hohensteiner Bürgern zu erhalten und für die Zukunft zu modernisieren.


Auch für die Kleinsten der umliegenden Orte ist gesorgt. Die Kindertagesstätte „Hohensteiner Burgspatzen“ bietet Platz für 45 Kinder im Alter von 2 Jahren bis zum Schuleintritt.


Neben mehreren kleinen privaten Firmen gibt es in Klettenberg eine Tischlerei, einen Landwirtschaftsbetrieb und auf dem Gelände der früheren Gärtnerei eine Außenstelle der Nordthüringer Lebenshilfe.


Mit Feuerwehrverein, Tischtennisverein, Fördervereine der Grundschule und der Kindertagesstätte, Förderverein St. Nicolaikirche, Brieftaubenverein und Kultur- und Geschichtsverein kann Klettenberg auf ein reges Vereinsleben verweisen. Der Flachbau der ehemaligen Arztpraxis und Haus der Dienste am südlichen Ortseingang (gegenüber dem Freibad) wurde zum „Klettenberger Treff“ ausgebaut. In der „Alten Schule“ bietet eine Musikschule Unterricht für groß und klein.


Touristisch durchläuft unser Ort der Karstwanderweg, ein zertifizierter Wanderweg durch die drei Bundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen, sowie der südharzer Themenradrundweg T3. Teile des Karstwanderweges verlaufen entlang des „Grünen Bandes“. Sehenswert sind u.a. die 1706 eingeweihte Kirche auf dem Burgberg, der „Tempel“, einst das Zentrum der mittelalterlichen Burg, die zerklüftete Karstlandschaft mit seiner einmaligen Flora und Fauna und die Aussichten vom Heu- und Espenberg. Bei schönem Wetter kann man von hier bis weit in den Harz oder entgegengesetzt bis zum Kyffhäuser oder zur Hainleite schauen. Die Ruinen auf dem Burgberg sind leider nicht, wie oftmals angenommen, Reste der alten Clettenberger Burg. Sie stammen aus der Zeit der Sayn-Wittgensteiner, die aus den von Wallenstein im 30-jährigen Krieg zerstörten Resten der Burg wieder neue Gebäude errichten ließen.  Nach den Sayn-Wittgensteinern von der Preußischen Domäne genutzt, wurde das Pächterwohnhaus 1945 von den neuen Machthabern nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Kultur- und Geschichtsverein Clettenberg e.V. bietet alljährlich geführte Wanderungen durch und um Klettenberg an.


In Klettenberg wird derzeit viel gebaut. Junge Leute schaffen Wohnraum.  So entstehen z.Zt. ein Einfamilienhaus unterhalb der Kirche und ein Doppelhaus gegenüber der früheren Molkerei. Weiterhin wird der Ort über mehrere Bauphasen an ein zentrales Schmutzwassernetz angeschlossen, dessen Kläranlage sich an der B243 am östlichen Ende des Ortsteils Holbach befindet. Die erste Bauphase, beginnend am Grundstück „Munds Mühle“ am Holbacher Weg bis zum Abzweig Liebenröder Straße/Klettenberger Hauptstraße ist in vollem Gange und soll bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

350 Jahre Schlosskirche Klettenberg

Sicher ist jedem in der Gemeinde Hohenstein die Schloßkirche in Klettenberg bekannt, die in diesem Jahre (1997) 350 Jahre alt wird. Ihr Bau begann 1647. Zur damaligen Zeit hatte die Dorfgemeinde eine eigene Kirche (Beate Mariae Virginis), die an der Straße nach Tettenborn lag. In der Kirchen-chronik von 1837 (Pfarrer August Friedrich Gottfried Wernicke) ist über die Schloßkirche folgendes zu lesen:

 

Die St. Georgii Kirche, auch Schloß- und Oberkirche genannt, und zwar darum, weil sie beides war. Seit 1706 ist sie das Gotteshaus für alle Orts- und nicht bloß Burgbewohner geworden. Sie ist am großen Schloßgarten erbaut, bis unter das Dach Mauerwerk. 38 Schritt (23,2 m) lang, 20 Schritt (12,2 m) breit und ein freier Raum von 26 Schritt Länge trennt sie von der nach Osten liegenden Vogtei. Ihr Mauerwerk mag ungefähr von dem Abhange 50 Fuß (15,2 m) hoch sein; am östlichen scheint es wohl ein Stockwerk einzudringen, weil hier das Gebäude in den laufenden Tempelberg hineingebaut ist.

 

Sie hat vier Eingänge:

  • den Eingang aller auf der Burgstraße
  • einen Zugang für den Prediger nach dem Schloßgarten
  • am Ostgiebel für Amt und Prediger und
  • einen für den Stand des großen Schellerschen Gutes, welches dem Glockenstuhl zunächst liegt.

 

Das gebrauchte Wort Glockenstuhl zeigt schon, daß sie keinen Turm hat...

 

An der Kirche unter dem freien Raum zwischen ihr und der Vogtei ist das fast 20 Fuß (6,1 m) im Quadrat haltende gräfliche Begräbnisgewölbe. Sein Eingang befindet sich in der Kirche hinter dem Altar. Von den gräflichen Leichen, die, wie gesagt 1702 hierher vom Tempel gebracht wurden, ist nichts mehr zu sehen.

 

Über den Bau der Schloßkirche ist in der Chronik weiterhin zu lesen: Die jetzige St. Georgiikirche ist nicht mehr die alte, gräfliche Kapelle. Diese war so baufällig geworden, das sie 1647 (ef. 1. 463) durchaus erneuert werden mußte. Der Oberst Berkefeld, der damals das Amt inne hatte, unterstützte in diesem Unternehmen den Schloßprediger Urbani, der den Bau im Verein mit dem Amtsverwalter Lange leitete; der genannte Berkefeld überließ zudem 52 Reichsthaler Standgeld und gab diese als Beitrag für die Altaristen...

 

Damals wurden für den Neubau durch Kollekten 105 Reichsthaler und 6 Groschen aufgebracht. Auch mußten alle Kapitalien aufgebaut werden. Den Rest zahlte die Kirchengasse. Wie hoch die Baukosten insgesamt waren, läßt sich heute nicht mehr ermitteln. Zur damaligen Zeit bekamen die Handwerker 69 Groschen Tagelohn.

 

1833 wurde vom damaligen Landesherrn Friedrich Wilhelm III. eine neue Orgel gestiftet, die der Orgelbauer Christian Knauf aus Groß Trebra bei Gotha baute. Die heute zerstörte Orgel wird in der Kirchenchronik ebenfalls beschrieben. Sie hatte 3 Bälge, 2 Manuale und Pedal (19 Register mit 739 Pfeifen).

 

Vermutlich 1936 wurde die Kirche ein weiteres mal renoviert. Noch heute vorhandene Postkarten zeugen davon, wie schön diese Kirche einmal war. Bedingt in der Randlage in der Sperrzone, wurde die Schloßkirche 1975 aufgegeben und war nur noch als Ruine ausgewiesen.

 

Nach der Wende gründete sich ein Förderverein, der sich zum Ziel gesetzt hat, diese Kirche wieder in einen würdigen und ihrem Zweck entsprechenden Zustand zu versetzen. Bisher wurden aus Mitteln des Denkmalschutzes der Dachstuhl, die tragende Holzkonstruktion und das Tonnengewölbe repariert. Ebenso konnte auch das Dach neu eingedeckt werden, so daß ein weiterer Verfall gestoppt ist. Dringend nötig ist die Sanierung des Mauerwerkes und der Fenster. Hiermit soll noch dieses Jahr begonnen werden. Zum 350-jährigen Jubiläum veranstalteten der Förderverein und die Vereine des Ortes Klettenberg am 13. September 1997 ein Jubiläumsfest, welches mit einem Festgottesdienst eröffnet wurde.

Der Mühlgraben und die anliegenden Mühlen

Vielen älteren Mitbürgern aus Klettenberg und Holbach wird noch der Mühlgraben bekannt sein, der vielen Mühlen dieser beiden Ortschaften als Antriebsquelle diente. Heute ist er, bedingt durch den Ausbau der ehemaligen Grenze zweckentfremdet, da kein Wasser mehr aus dem Sachsengraben bei Neuhof abgeleitet wird. Aus der Klettenberger Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßte, geht hervor, wie viele Mühlen in der damaligen Zeit mit diesem Graben betrieben wurden. Über den Verlauf des Mühlgrabens schreibt Pfarrer Wernicke:


... Dieser Mühlgraben "Der Halabach" wird unterhalb des Dorfes Neuhof durch Abstauung aus dem Sachsengraben abgeleitet. Von da zieht er sich in Branderöder Flur an der s. g. Maht in fast östlicher Richtung fort, durchschneidet den s. g. Eselsweg - der seinen Namen wahrscheinlich, die in den Mühlen sonst zum Fort- und Herbeischaffen des Mahlgutes gebräuchlichen Eseln, verdankt - cf. Herrnmühle - von hier ab dreht er sich nach Süden, dem Haiberge zu. Diesen nach kurzem Laufe erreichend, biegt er nach Westen um, zwischen dem Vogelsang und dem Hofe, welcher zur Liesebiel gehört, biegt dann abermals in der Nähe des Schnepfenackers um die Spitze des Vogelsangs nach SSO um und erreicht bei der s. g. Schnepfmühle das Dorf Clettenberg...


Weiterhin geht aus der Chronik hervor, welche Mühlen ehemals am Mühlenbach betrieben wurden. Es sind Mühlen:

  1. Die Schnepfmühle, mit zwei Fällen (Grundstück Rollfinke)
  2. Die Münzmühle, weil hier die gräfliche Münze gestanden hat (heute Fam. Apel)
  3. Die Gemeindemühle (Grundstück Börgardts)
  4. Die Wasserkunst (Fam. Petri)
  5. Die Herrenmühle (Fam. Sander)
  6. Die Steinmühle (ehem. Fam. Roloff)
  7. Espenmühle (Fam. Mund)
  8. Im Ort Holbach (Name unbekannt)
  9. Hinter Holbach (Name unbekannt)

 

Wobei die Mühlen 1. -6. in Klettenberg und die Mühlen 7. - 9. in Holbach betrieben wurden.

 

Bevor der Mühlbach die Steinmühle erreicht, verschwindet er im Steinberge (heute Kalkberg genannt) und kommt auf der südlichen Seite wieder zum Vorschein. Dieser Umstand war für die Steinmühle zum Vorteil, da sie im Winter wenig mit Vereisung zu tun hatte. Hinter Holbach fließt der Mühlgraben in die aus Mackenrode kommende Ichte.

 

Rechnet man für jede Mühle ein Gefälle von ca. 3m (in der Chronik 10 Fuß) so ergibt sich von der Schnepfmühle bis zur untersten Holbacher Mühle eine Fallhöhe von etwa 30m! Heute wird der Mühlgraben nur noch zweckentfremdet als Abwassergraben genutzt - schade.

Die Entwicklung der Schulen in Klettenberg

Klettenberg war, bedingt durch die Burg, später dann auch die Domäne, ein zentraler Ort. Diese Stellung hat sich bis zur Wende erhalten, was man unter anderem am Schulwesen ablesen kann. Den meisten Bewohnern sind nur die beiden heute noch stehenden Schulgebäude bekannt. Doch in früherer Zeit gab es für diese beiden Schulen schon Vorgänger.

 

Aus der Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßt hat, geht hervor, daß schon vor seiner Zeit das s. g. Claushaus als Schule genutzt wurde. Das Claushaus hat seinen Namen von der Claus-Kirche (Beate Mariae Virginis), von der heute nur noch der Glockenturm erhalten ist.

 

Hierzu heißt es in der Chronik:


Der Name Clausmann bezeichnet aber nach dem hier herrschenden Sprachgebrauch den Besitzer des an o. g. Kirchhofe gelegenen Hauses, in dem sonst die Ortsschule sich befand - man nennt ihn darum auch oft den Cluskanter - und welches am 26. Februar 1718 für 60 Thl. An Lorenz Jödicke verkauft wurde (I. 535, 563) und noch jetzt an die Kirche jährlich seinen (1) Thaler Erbenzins bezahlt und ihr in Gemäßheit den Verkaufsbedingungen lehnspflichtig ist. Von der Familie Jödicke gelangte das Haus an die Familie Machlitt; von dieser an Lier (Kirch. Buch von 1818), von dieser an Andreas Fuchs, dessen erste Frau eine geb. Lier war und hier den 15. April 1821 starb, was darum so genau bemerkt wird, weil 1837 die Eintragung der Lehnspflicht dieses Hauses in das Herzogliche Baubuch beantragt und versucht ist, diese Nichte beizubringen, was auch gelungen.


 

Aus diesem Abschnitt geht hervor, daß offensichtlich vor 1837 eine Schule, nämlich im s. g. Claushaus, existierte. Zur Zeit Pfarrer Wernickes war die Dorfschule in einem Haus untergebracht, das zwischen dem Pfarrhaus und der Schloßkirche stand. Dieser Schule widmete er ein eigenes Kapitel, in dem es heißt:


In dem vorher erwähnten Claushause war vordem die Ortsschule. Die jetzige ist ein Missionshaus dessen westlicher Giebel 1832 mit einem Kostenaufwande von 23 Thl. Erneuert werden mußte. Zu diesen Kosten gab der Landesherr 2/3 und die Gemeinde mit Ausschluß des dem Landesherren und Patron gehörigen Amtes, also mit Einfluß der Burgstraße 1/3 bei. Die Kirchengasse ist dazu nicht verpflichtet. Die Schule gehört nicht zu den Burgsassen hat auch jetzt noch keine Länderei, wird aber solche nach Vorschrift der Gemeindeteilungsordnung, ...(Rest nicht lesbar).


 

  • Der Pfarrgarten reicht noch jetzt bis an die Kirche heran.
  • Davor steht die Pfarrscheune in gar keinem Verhältnis mit der Länderei der Pfarre, obgleich sie ein ordentliches Gut gewesen ist; und jetzt auf den Hof beschränkt ist, so ist das durch die Mauer vom Pfarrgarten und Hof getrennte Schulhöfchen.
  • Die Schule hat keinen Garten hinter sich, den doch die kleinsten Häuschen haben, denn das an die Kirche angelegte Winkelschauer zur Straße ist Kirchengrund.
  • Die Schule hatte sonst keinen Ausweg vom Hofe auf die Straße und mußte ihr Vieh über den Pfarrhof ausgetrieben werden. Fast zu der Zeit des Pastors Große 1828 ist der Ausgang vom Hofe der Schule auf die Straße gemacht, dazu ein Stück der Schule gewölbt und ein Weg durch den Felsen gesprengt worden. Zur selbigen Zeit ist auch die Mauer zwischen dem Pfarr- und Schulhofe gebaut worden (vgl. auch Schmalings Hohnsteiner Magazin p. 344).

 

Ihr Schulgehalt steht I 21 ff verzeichnet, ferner in den Akten Testamonia Cantorata zu Clettenberg No.15 und Testamonia Gehalts Designation der Schulstelle 1835 No. 53 (Pfarrakten). Zu I 21 ff wird daher nur bemerkt:

  1. Das Organistengeld konnte in dieser, 1640 gefertigten Designation, nicht stehen, denn es ist - conf: oben bei Kirche - 1656 erst gestiftet (I p. 472).
  2. Das jetzt zu entrichtende Schulgeld, wofür der Kantor auch die Schulstube mit heizen muß (a Kind 20 Groschen), ist in genannter Urkunde gleichfalls nicht aufgeführt.
  3. Die Naturalien vom Amte sind seit langem in Geldwerte verwandelt, welche mit 2 Thl. 10 Gr. jährlich vom Rentamte zu Nordhausen gezahlt wird.
  4. Nur der Scheffel Leinen, der dem Kantor auf Amtslande gesät werden muß, wozu er aber den Samen selbst zu liefern hat, ist noch in natura vorhanden. Es wird jährlich das Landungswesen berechnet und bestellt u.s.w. Durch die Separation wird aber auch dies verändert werden.

 

Hieraus geht hervor, wie hoch das damalige Schulgeld war und wie die Schule finanziert wurde. Ebenso die Besoldung des Kantors (zur damaligen Zeit war eine Bezahlung in Naturalien durchaus üblich).

 

Die oben beschriebene Schule wurde offensichtlich bis 1909 genutzt, denn der Bau des jetzt noch existierenden Schulgebäudes in der Ortsmitte ist auf das Jahr 1909 datiert.
Dieses Gebäude, mit zwei großen Klassenräumen im unteren und zwei Wohnungen für die Lehrkräfte im oberen Stock, wurde als allgemeinbildende Schule bis etwa 1970 genutzt. 1998 wurde es im Rahmen der Dorferneuerung saniert. Zur Zeit wird es zur Umschulung von Aussiedlern genutzt.

 

In der Zeit von 1965 bis 1968 waren die 5. bis 10. Klasse in den Baracken an der Straße nach Holbach untergebracht.
Die vierte Schule liegt am südlichen Dorfrand von Klettenberg. Sie wurde im Jahre 1968 als Polytechnische Oberschule Thomas Müntzer erbaut. Das Einzugsgebiet umfaßte folgende Ortschaften:

  • Branderode
  • Holbach
  • Klettenberg
  • Liebenrode
  • Limlingerode
  • Mackenrode
  • Obersachswerfen und
  • Steinsee

 

Bis 1977 gehörte auch Günzerode dazu. Das Schulgebäude ist u-förmig angelegt. Auf dem weiträumigen Gelände befindet sich außerdem eine Turnhalle, die vom hiesigen Tischtennisverein und von der Frauengymnastikgruppe genutzt wird.

 

Nach der Wende beinhaltete diese Schule bis 1993 die Regelschule für die umliegenden Ortschaften. Ab 1993 war sie die Regelschule Ellrich/ Klettenberg. Ab 1995 wurde sie zur Grundschule für die schon oben angeführten Ortschaften. Heute sind in der Schule etwa 10 Lehrkräfte beschäftigt. Die Schule wird heute vom Landkreis Nordhausen getragen.

Die Wasserkunst von Klettenberg

Zur Trinkwasserversorgung der Klettenberger Domäne wurde einst die so genannte Wasserkunst errichtet. Auf Grund ihrer Lage war ein natürlicher Zufluß mit Trinkwasser nicht möglich. Also mußte das für die Domäne benötigte Wasser künstlich herbeigeschafft werden, was mittels der Wasserkunst geschah. Noch heute zeugen einige Begriffe in Klettenberg von dieser Anlage.

 

Aus der Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßte, geht hervor, daß zur damaligen Zeit die Wasserkunst schon in Betrieb war. So wird in seiner Beschreibung der Burg schon ein Bassin erwähnt, in das das vom Kunstberg kommende Wasser gespeichert wurde (Chronik, § 14). Weiterhin heißt es in seiner Beschreibung des Dorfes (Chronik, § 24):


...Von dieser abwärts liegt die Wasserkunst, in welches in eisernen Röhren das Wasser in der Röhre - hier spricht man von Rehgasse hinauf bis auf einen isoliert stehenden Felsenberg - Kunstberg - preßt, woselbst es in einem steinernen Haus aufgefangen und durch hölzerne Röhren bergab durch eigene Schwere dem großen Schloßgarten zu und durch diesen, durch den Tempelberg in die Höhe bis auf den Brauplatz des Amtes geleitet wird. Das jetzige Haus der Wasserkunst, zu deren Abwartung das Amt einen eigenen Kunstmeister hat, ist ein steinernes Gebäude, das im Januar 1828 errichtet worden ist...


 

Aus diesen kleinen Auszug geht hervor, daß schon zur Zeit Pfarrer Wernickes die so genannte Wasserkunst betrieben wurde. Das oben erwähnte Bassin befindet sich unmittelbar nordwestlich des Tempels und ist heute in seinen Resten noch vorhanden.

 

Den so genannten Kunstberg werden ältere Bewohner noch kennen. Heute ist er durch den Abbau von Gips fast völlig abgetragen. Aus einer Zeichnung geht hervor, wie das Kunsthaus beschaffen war. Die Pumpe (in der Zeichnung als Maschine bezeichnet) wurde von einem Mühlrad angetrieben, das überdacht war. Das Kunsthaus hatte einen Grundriß von 7,4 x 7,0 m. Es war mit einem Satteldach gedeckt und hatte eine Traufenhöhe von ca. 2,7 m. Das Dach besaß eine Höhe von 4,0 m und der Überstand am Mühlrad war ca. 2,0 m. Auf der Zeichnung ist weiterhin vermerkt, daß das Kunsthaus vom Pächter durch Verfügung vom 26. Mai 1914 abgebrochen werden sollte. Weiterhin ist folgender Vermerk zu lesen: "Das Gebäude ist im Februar 1922 niedergebrannt". Ob dieses Kunsthaus, das von Pfarrer Wernicke erwähnt ist, läßt sich nicht klären.

 

An Stelle des abgebrannten Kunsthauses mit Wasserrad wurde in den Jahren 1922/23 ein neues Pumpenhaus gebaut, dessen Pumpe offensichtlich von einer Wasserturbine angetrieben wurde. Reste davon waren bis in die heutige Zeit vorhanden. Ebenso ist eine Zeichnung von dem runden Hochbehälter vorhanden. Sein Innendurchmesser betrug 4,7 m mit einer Höhe von 3,35 m. Daraus ergibt sich ein Fassungsvermögen von etwa 58 m3. Dieser Behälter war mit einem runden Dach abgedeckt, daß gemäß einer Notiz im Jahre 1838 abgebrochen wurde. Der Hochbehälter war ca. 2,0 m im Erdreich eingelassen; der herausragende Teil wurde durch eine gepflasterte Böschung gestützt.

 

Heute sind von der Wasserkunst mit Ausnahme des Hochbehälters am so genannten Tempel nichts nichts mehr vorhanden. Beachtenswert ist allerdings der große Aufwand, den man zur damaligen Zeit trieb, um Mensch und Tier mit Trinkwasser zu versorgen.

 

Für die damalige Zeit war diese Anlage mit Sicherheit eine Errungenschaft, die das Leben erleichterte.

Aus der Kirchenchronik von Klettenberg

Teil 1: Die Burg

Aus der Klettenberger Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßte, geht eine sehr genaue Ortsbeschreibung hervor. Gemäß der damaligen Bedeutung dieser Burg (Pf. Wernicke spricht in der Chronik auch vom "Amt") stellt er ihre Beschreibung als den wichtigsten Bestandteil des Ortes voran. In den folgenden Beiträgen soll daher die gleiche Reihenfolge verwendet werden, wie in der Chronik. Desweiteren sei bemerkt, dass noch heute Reste der beschriebenen Gebäude vorhanden sind, so dass man sich gut daran orientieren kann.

 

Zur Bedeutung des Amtes heißt es in der Chronik:


Selbst da das Dorf längst aufgehört hatte, seinen Landesherren in seiner Burg zu behausen und bis 1806 war hier eine bedeutende Erhebungsstelle der herrschaftlichen Gefälle und abgesehen von dem Umstande, daß alle umliegenden Dörfer dem hiesigen Amte mit Pfand und Hand dienstbar waren, befand sich auch zu Clettenberg der Sitz des Gerichtes."


 

Weiterhin ist zu lesen, dass das Amt aus zwei Amtleuten, einen Archivarius und Amtsschreiber sowie einem Ober- und Untervogt bestand, die die Befugnis der Halsgerichtbarkeit besaßen. So fanden in den Eichen Obersachswerfens folgende Hinrichtungen statt:

  • 23.12.1663 Anna Liebening, Epschenrode wegen Ehebruchs und Kindesmord enthauptet
  • 18.11.1666 Steinacker, Haferungen wegen Mordes enthauptet
  • 04.07.1668 Hans Holzapfel, enthauptet und aufs Rad geflochten, weil er seine Frau erhängt hatte.

 

Zum Zustand der Burg ist in der Chronik folgendes zu lesen:


Sie liegt auf dem Rücken des Tempelberges und war ehedem mit Mauer und Wall umgeben. Von ersterer sind nur noch einzelne Spuren zu sehen. Von der auf dem Tempel mit seinem Kern gestandenen sehr festem Schlosse auch von dem Felsenbrunnen desselben, ist mit Ausnahme eines Gewölbes auf der Nordseite - es ist jetzt auch abgebrochen - und ein zwei Mauerresten, nichts mehr zu sehen und der Tempel steht wieder in seiner natürlichen Nacktheit und bietet nur noch seine herrliche Aussicht dar - an ihm soll der Erzählung der ältesten Leute nach, früher noch ein mächtiger Felsblock gewesen sein, aus dem beständig Wasser heraustropfte, der aber heruntergestürzt ist.


 

Dabei ist der ursprüngliche Umfang des "Tempels" genannten Felsen durch zum Bedarf des Bauens geschehenen Absprengungen jetzt leider sehr vermindert. Dieser Zustand der Vernichtung wurde im dreißigjährigen Kriege durch Tilly begründet, der vom Verlust der Schlacht bei Breitenfelde schon zu Raubzügen von Gustav Adolf genötigt, die Festungswerke 1631 sprengen und zerstören ließ. Das übrige tat die Zeit und der Vandalismus...

 

Zur Zeit des Chronisten war die Burg wie folgt bebaut:

  • Schmiede - Östlich von und dicht unter dem Tempel liegt die von ihrem Jetztbesitzer Wilhelm Tolle neu erbaute Schmiede. Die Anlage, Grund und Boden gehörte sonst zum Hause (Amte)...
  • Ein Kollonistenhaus in der Burg, dessen Besitzer Erbenzins entrichtet, darum nicht zu den Burgsassen gehört. Das Haus ONO vom Tempel hat einen Garten, der an dem Fuhrwege liegt und an die Schmiede stößt...
  • Hart unter dem nördlichen Tempel liegt der Kalkschuppen und das Spritzenhaus zum Amte gehörend. In einem abgesonderten Raume steht die gemeinschaftliche Feuerspritze der Gemeinden Klettenberg und Branderode. Sie hat zwei Züge und ist 1761 gebaut; sonst hatte sie den Stand auf dem Amte...
  • Das Amt, hiesigen Ortes selbst in Schriften auch das Haus und Herrenhaus genannt, weil die gräfliche Wohnung, dessen vorzüglichster Teil war. Dieses hieß herkömmlich auch das Schloß, auch da noch, als das eigentliche Schloß (Turm und Festung auf und um den Tempel) längst verschwunden war...

 

Jetzt besteht das Amt, zu welchem zwei große mit mächtigen Tiefen, Schluchten, Felsen reichlich versehenen Gärten (Schloßgärten nennt man sie noch) gehören, aus folgenden Einzelheiten:

  • Das Amt und Wohnhaus, welches 1790 anstelle aber nicht auf der Stelle des alten, eingefallenen und abgebrochenen gräflichen Flügels massiv erbaut worden ist. Hier und vorher im gräflichen Flügel befand sich bis 1806 das Lokal in Klettenberg (Justizamt und die ihm vorangegangenen gräflichen Behörden)...

 

Zu den Amte gehören ferner an Baulichkeiten:

  • Die Gebäude auf dem Brauhofe (Brauplatze) eine Scheune quer in Richtung des Tempels von Nord auf Süd sich streckend gebaut. Östlich ein Schuppen der vorigen gegenüber und ihr parallel laufend, südlich dem Brauhause vom Tempel ab nach Westen sich ziehend. Zwischen diesen Gebäuden ist ein freier Platz, der Brauplatz, Hof genannt. Auf ihm, dicht an der Mauer nach dem Tempel zu und am Giebel jener Scheune, ist ein steinernes Bassin, in daß das durch die Wasser- kunst hierher geförderte Wasser sich ergießt, von dem es durch Rohre auch auf dem Unterhof geleitet wird. In diesem Brauhause wurde früher eine sehr bedeutende Brauerei betrieben...
  • Gebäude zwischen dem Brauplatze und kleinem Schloß "Amtsgarten" und dem welcher sich in dem Thale zwischen dem Tempelberge und Steinberge von West nach Ost weit über das Amt hinaus bis an das Rodeland hinzieht.
    • Ein Schafstall von Nord nach Süd fast laufend, massiv,
    • Schweineställe.
    • Von ihnen nach Westen der massive Kuhstall,
    • Der Pferdestall für 4 ½ Gespann und von ihnen nach Westen 5 drei unter einem Dache stehenden großen Scheunen
  • Die Hinterwand, nach dem kleinen Schloßgarten, ist bei allen diesen Gebäuden eine starke, bis unter das Dach gehende durch steile Strebepfeiler gestützte Mauer, wie dies auch beim Brauhause an der Nordseite der Fall ist.
  • Des Verwalters Gebäude, massiv, ist von Nord nach Süd gerichtet und schließt den Amtshof von dieser Seite. Seine Seitenwand ist die Grenze des oberen kleinen Schloßplatzhofes.
  • Die Vogtei, ehemalige Wohnung der Amts (Ober- und Unter-) Vögte, massiv, liegt vor dem Amts- haus, das ganz abgesondert am großen Schloßgarten und ist demjenigen welcher von Ost nach West in dem Thale zwischen dem Tempel und dem Heuberge sich hin aufzieht. Zwischen ihm und der St. Georgiikirche ist ein freier Raum, den ein Zaun vom großen Schloßgarten trennt.

 

Zu dem Amt gehörten damals außerdem drei Schäfereien:

  • in Branderode (wurde nach Klettenberg verlegt)
  • in Holbach (wurde ebenfalls nach Klettenberg verlegt)
  • eine Doppelschäferei in Klettenberg,auf dem vormals von Mandelslohischen Gute sind dazu in neuester Zeit 2 große steinerne Schafställe errichtet

 

Weiterhin schreibt der Chronist:


"Das Amt hat ferner die hohe und niedere Jagd, welche aber beide eigens von dem Staat verpachtet ist. Ebenso hat es einen besonderen, verschlossenen Kirchenstand, zu dem ein eigener Eingang auf der Ostseite führt, welchen es gemeinschaftlich bloß mit dem Prediger benutzt, der dazu wie der Amtmann einen Schlüssel hat. Der Kirchenstand befindet sich rechts (Nordseite) von der Kanzel.


 

Verlehnt wird dieser Stand als Stelle des Patrons der Kirche; bei Veränderungsfällen nicht. Aus der obigen Beschreibung geht hervor, welche Bedeutung das Amt um 1837 gehabt haben muß. Da die Gebäude oder deren Reste noch teilweise vorhanden sind, kann man sich noch heute von den Ausmaßen dieser Anlage überzeugen. Dazu noch einige Anmerkungen:

  1. Das Amt war damals eine königliche Domäne, die jeweils auf 12 Jahre verpachtet wurde. Sie bestand bis zum Ende des Krieges. Ein Teil dieser Gebäude ist heute noch vorhanden. Ebenso existieren darüber noch Lagepläne der Domänenkammer.
  2. Das unter 4. A) genannte Wohnhaus wurde bis zum Ende des Krieges vom Domänenpächter genutzt und ist nach 1945 durch Brand zerstört.
  3. Ein Schafstall der oben genannten Doppelschäferei wurde vor einigen Jahren abgerissen.
  4. Der Patronatsstuhl des Amtes (Kirche) ist bei der letzten großen Renovierung (1933) abgebaut. Spuren sind noch sichtbar.

 

Teil 2: Die Kirche, Schule und Pfarre

Wie schon in Teil 1 berichtet, stellte der Chronist Pfarrer Wernicke (1837) die Beschreibung der Burg als den wichtigsten Bestandteil des Ortes voran. Es folgt darauf die Beschreibung der Kirche, der Schule und der Pfarre.

 

Die St. Georgii Kirche

Über diese Kirche wurde schon zum 350-jährigen Bestehen berichtet. Sie wurde auch als Schloß oder Oberkirche bezeichnet. Ihr Bau begann 1647. Zu dieser Zeit hatte die Dorfgemeinde eine eigene Kirche (Beate Mariae Virginis), die an der Straße nach Tettenborn stand. Seit 1706 ist sie das Gotteshaus für alle Orts- und nicht bloß der Burgbewohner geworden. Sie ist am großen Schloßgarten (Kirschberg) erbaut und besteht bis unter das Dach aus Mauerwerk. Die Kirche ist 27 m lang, 12 m breit und ihr Westgiebel hat eine Höhe von ca. 15 m. Auf jeder Seite befinden sich 4 Rundbogenfenster, ehemals mit Bleiverglasung. Die vier Eingänge wurden früher in folgender Weise genutzt:

  • der Eingang Aller auf der Burgstraße,
  • der Eingang auf der Nordseite für den Prediger,
  • der nördliche Eingang am Ostgiebel für das Amt und den Prediger sowie
  • der südliche Eingang am Ostgiebel für den Stand des großen Schellerschen Gutes (heute: Sitz des Gemeinderates).

 

Am Ostgiebel, außerhalb der Kirche befand sich das unterirdische, gräfliche Begräbnisgewölbe von 6 X 6 m. Sein Eingang ist in der Kirche hinter dem Altar. Von den gräflichen Leichen, die 1702 hierher gebracht wurden, ist heute nichts mehr zu sehen. Einen Turm hat diese Kirche nicht. In dem abseits stehenden Glockenstuhl ist Platz für zwei Glocken. Heute ist nur noch eine vorhanden.

 

Aus der Chronik sowie aus weiteren geschichtlichen Quellen gehen folgende Jahreszahlen hervor:

  • 1506: Die Dorfgemeinde hatte früher eine eigene Kirche (Beatae Mariae Virginis), die im Archidiaconatsregister von 1506 aufgeführt ist.
  • 1647: Der Bau der Schloßkirche begann unter Leitung des Schloßpredigers Urbani, der durch den damaligen Amtsinhaber Oberst von Berkefeld unterstützt wurde. Sie wurde an Stelle der alten gräflichen Kapelle erbaut, da diese baufällig geworden war.
  • 1704: Ausbau der Kirche. Auf dem Aufsatz des Altars, der die Kanzel umschließt, standen Holzfiguren der 4 Evangelisten und der Apostel Petrus und Paulus.
  • 1706: Einweihung der Schloßkirche, die aber noch nicht fertiggestellt war. In diesem Jahr verband sich die Dorfgemeinde mit der Schloßgemeinde. Der Name der Kirche ist ungeklärt. In der Kirchenchronik von 1837 wird die Schloßkirche als St. Georgii Kirche bezeichnet.
  • 1708: 16. Oktober fand die erste nachgewiesene Amtshandlung statt: Hochzeit des Herrn Hans Lorenz Ernst.
  • 1718: wurde der so genannte bemalte Himmel der Kirche, die Kirchenstühle der Burgstraße erbauet und das Positiv (1. Orgel) repariert.
  • 1933: Renovierung der Kirche. Noch vorhandene Postkarten zeugen davon, wie schön diese Kirche einmal war.
  • 1975: wurde die Kirche, bedingt durch die Randlage in der Sperrzone, aufgegeben. Die Kirche wurde in dieser Zeit als Ruine ausgewiesen.
  • 1993: Gründung des Fördervereins St. Nicolaikirche Klettenberg e. V. mit dem Zweck des Wiederaufbaus und der Restaurierung der Schloßkirche zu Klettenberg.
  • 1997: Für den Wiederaufbau wurden mit öffentlichen Mitteln bereits folgende Arbeiten durchgeführt: Die tragende Holzkonstruktion und der Dachstuhl sind repariert. Das Dach ist neu eingedeckt Und der Westgiebel ist neu behängt. Der Giebel auf der Ostseite ist neu verkleidet. Das Tonnengewölbe ist fast vollständig erneuert.
  • 1999: Einbau neuer Fenster, da die alten zerstört waren. Die Kirche kann nun wieder genutzt werden.

 

Ebenso geht aus der Chronik hervor, dass die Kirche zunächst keine Orgel hatte. Erst im Jahre 1656 schenkte der damals regierende Graf Johann von Sayn-Wittgen- und Hohenstein ein Positiv. Da zu dieser Zeit die Mittel zur Besoldung des Organisten fehlten, wurde festgelegt, das jedes Haus jährlich 4 Groschen Organistengeld zu zahlen hatte. Im Jahre 1718 wurde das Orgelpositiv repariert.

 

1833 wurde die alte Orgel durch eine neue ersetzt. Friedrich Wilhelm III., damaliger Landesherr, stiftete 400 Thaler für den Neubau der Orgel. Die Gemeindemitglieder stifteten 132 Thaler 15 Groschen und der Gemeinderat übernahm einen Betrag von 53 Thalern 15 Groschen. Sie wurde von dem Orgelbauer Christian Friedrich Knauf aus Groß Trebra bei Gotha erbaut. Die Orgel hatte 3 Balge, zwei Manuale und Pedal (19 Registern mit 739 Pfeifen). Heute ist die Orgel bedingt durch den Verfall der Kirche völlig zerstört.

 

Die Finanzierung des Neubaus ist nur teilweise aus der Chronik ersichtlich, da zur Zeit Pfarrer Wernickes nicht mehr alle Unterlagen zur Verfügung standen. Demgemäß spendete der genannte Berkefeld 52 Reichsthaler. Hans Kassler, Andreas Thomeyer und Hans Spangenberg brachten durch Kollekten in und außerhalb des Ortes 105 Reichsthaler und 6 Groschen zusammen. Die Kosten welche durch diese Kollekte nicht gedeckt wurden, zahlte die Kirchenkasse. Ebenso mußten - so der Chronist - für den Neubau auch alle Kapitalien aufgebraucht werden. Zur damaligen Zeit erhielt ein Handwerker pro Tag 69 Pfennige Tagelohn.

 

Gemäß Chronik schenkten zum Neubau der Kirche:

  • der damals regierende Graf Gustav 50 Thaler
  • seine Gemahlin Anna Helene 25 Thaler
  • die junge Gräfin Louise 12 Thaler
  • der gräfliche Hofmeister 10 Thaler
  • der gräfliche Kanzler Joh. Hr. Rippel 10 Thaler
  • Hof "Canzlei" Cons. Rath de Georges 10 Thaler
  • Amtmann Weiland 10 Thaler
  • Kammerschreiber Philipp Weber 10 Thaler
  • Kammerschreiber Otto Christoph Ravensberg 12 Thaler
  • Conrad Fischer 15 Thaler
  • Consist. Rath 12 Thaler
  • Herr von Kampe 10 Thaler
  • Herr Otto 6 Thaler
  • Herr Müller Nicolaus 2 Thaler
  • Haus Heinrich auf der Münze 2 Groschen

 

Summe: 194 Thaler 2 Groschen

 

Aufgrund ihrer Größe ist diese Kirche keine gewöhnliche Dorfkirche, sondern sie unterstreicht die damalige Bedeutung des Ortes mit Burg und Amt. Nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Kulturdenkmal sollte sie unbedingt erhalten werden.

 

Die Schule

Über die Entwicklung des Schulwesens wurde schon ausführlich berichtet. Zur Zeit Pfarrer Wernickes befand sich die Schule zwischen Pfarre und Kirche. Durch die beengten Verhältnisse des Schulgrundstücks wurde im Jahre 1828 ein Weg vom Hinterhof zur Straße angelegt. Die Mauer zwischen Schule und Pfarre beschreibt deshalb einen Bogen, der heute noch sichtbar ist.

 

Die Kinder wurden zur damaligen Zeit vom Kantor unterrichtet. Das Schulgeld, wovon auch die Schulstube geheizt werden mußte, betrug je Kind 20 Groschen. Das Gehalt wurde vom Rentamt in Nordhausen bezahlt; es betrug zwei Thaler und 10 Groschen. Weiterhin erhielt der Kantor in Naturalien einen Scheffel Getreide, das auf Amtsland bestellt werden mußte, wofür er aber Samen zu liefern hatte.

 

Die Pfarre

Das Pfarrhaus wurde 1685 als Fachwerkbau errichtet. Damals war der Hof von Wirtschaftsgebäuden umgeben, von denen heute nur noch ein Stall mit Wagenremise vorhanden ist. Die angrenzende Scheune im Westen wurde 1930 bereits abgebrochen. Ebenso sind die zur ehemaligen Schule angrenzenden Ställe nicht mehr vorhanden. Nach Norden erstreckt sich der Pfarrgarten bis zur Talsohle und wird vom großen Schloßgarten eingegrenzt. An der Westseite des Gartens liegt der "Heller", ein kleiner Teich, der von einer Quelle gespeist wird, die jedoch auf dem Pfarrgrundstück liegt.

 

Über die Pfarre ist in der Chronik von Pfarrer Wernicke zu lesen:


Sie liegt westlich von der Schule und ist ein adliges Gut gewesen (Hohensteiner Magazin 343 conf. § 39) woher es denn kommen mag, daß ihre Länderei (120 Ruten) nicht bloß in Klettenberger und Branderöder, sondern zu einem Teil auch noch in Holbächer (53/4 Ruten) und in Mackenröder (über ein halbes Jasto) Flur liegt, daß sie ferner so bedeutenden Lehnsgrund stärkte - 12 Häuser und noch 12 Jagen Ländereien - hat; daß ihr in Klettenberg 2 und in Branderode 5 Häuser dienstbar sind und in der von Mackenrode kommenden Ichte bei ihrem so genannten Kirchgraben und Ichtewiesen die Fischerei zusteht und in Gemeinde - Holzflur, der Vogelsang, Jagd zugestanden hat.


 

Die beiden letzten Rechte sind noch bis in die neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts von dem Prediger ausgeübt, und Schreiber selbst ist von seinem Arbeiter Christian Wagner oft angegangen worden, die Fischerei auszuüben, obwohl er es doch für den Stand des Predigers unangemessen hielt. Die Verwendung eines adligen Gutes zur Pfarre und Pfarrdotation erklärt sich übrigens dem Umstand, daß der Pfarrherr zu Klettenberg, den so zu nennen ist feststehend die alten Kirchenbücher, nicht bloß Prediger des Ortes, sondern auch gräflicher Hof- und Schloßprediger war. Das adlige, zur Dotation des Pfarrers vermachte Gut, scheint übrigens vordem den Namen des Compensischen Gutes geführt zu haben; denn I p. 10 steht von der Hand des damaligen Kantors Nicolaus Koch geschrieben...

 

Die Abgaben (Zinsen) und Verpflichtungen zur Pfarre waren zur Zeit des Chronisten häufig in Naturalien zu entrichten. Aufgrund einer anstehenden Separation wurden sie in Geldwerte umgewandelt. So mußte da Amt neben der Bestellung von Acker und der Abgabe von Hafer und Roggen jährlich 9 Thaler 10 Groschen entrichten. Weiterhin waren drei Güter in Branderode, ein Gut in Mackenrode sowie das Wolframsche Gut in Klettenberg zu Abgaben verpflichtet. Ebenso hatte die Pfarre das Recht zur Ausrodung der königlichen Hölzer bei Klettenberg. Offensichtlich war auch das Stift Walkenried zu Abgaben verpflichtet, denn Pfarrer Wernicke führt in der Chronik an, daß sich schon der Schloßprediger Urbani bemüht hat, diese Abgaben herbeizuschaffen, allerdings ohne Erfolg.

 

Über die ursprüngliche Ausdehnung des Pfarrgrundstücks ist in der Chronik von 1837 zu lesen:


Der Pfarrgarten ist jetzt nicht mehr so, wie er ursprünglich war. Denn in seinem ursprünglichen Zustande ging und lag er in der Breite des Pfarrgehöftes it est von der Burgstraße der St. Georgii Kirche bis zur Westachse der Pfarrscheune - hinter der Pfarre bis zum Zaune, in der Mitte des Haiberges, welcher ihm davon trennt und lag also zwischen dem großen Schloß und dem von Mandelsloheschen Garten, die auch mit diesem Zaune endigen.


 

Die Pfarre besaß also nicht die Stärke ihres jetzigen Baumgartens, welcher von der Pfarrscheune bis zum Heller liegt, auch nicht ihren jetzigen Gemüsegarten, zwischen Pfarre und Mandellohischen Scheuer. Beide Stücke wurden eingetauscht für ein Stück, welches von dem jetzigen Pfarrzaune in der Breite des Pfarrgehöfts hinauf bis zum vorgenannten Zaune am Haiberg lief: Der aus Liebhagberei hervorgegangene Wunsch sich ein Blumengärtchen zu verschaffen, soll den 1768 von hier versetzten Pastor Thilo veranlaßt haben, das größere jetzt zum Schloßgarten gehörige Stück gegen die beiden bezeichneten, kleineren (in Grenzen) zu vertauschen. Schreiber ist der Meinung, daß wohl auch die Nachkommen der Burg mitgewirkt haben. Damit will er sagen: Thilo hat solches wahrscheinlich auch alswegen damit die Pfarre zum Wasser des Hellers kommen und er holen konnte, was sie vor dem Tausche nicht auf eine Pacht annehmen durfte, da das am Heller liegende Stück der Pfarrobstgarten noch nicht zu ihr gehörte ...

 

Im Zusammenhang mit dem Bau der Schule beklagt sich der Chronist über die fehlende Möglichkeit einer Erweiterung des Pfarrhofes, da es ihm offensichtlich an Wirtschaftsgebäuden fehlte. Weiterhin geht an dieser Stelle der Chronik hervor, daß die Schule seit 1718 schon existiert haben muß, da in diesem Jahr das Claushaus (vorherige Schule) verkauft wurde. Das Pfarrwohnhaus wurde im Jahre 1828 bis an die Schulmauer erweitert.

  1. Die Kirche hat keinen Turm. Ob beim Bau jeweils ein Turm geplant war, ist unbekannt.
  2. Die Bezeichnung "Gut" wird in der Chronik nicht in unserem heutigen Verständnis benutzt, sondern bezeichnet einen Bauernhof.

 

Teil 3: Die Güter an der Burgstraße

In diesem Bericht zur Klettenberger Kirchenchronik (Pfarrer Wernicke, 1837) sollen die Güter (Höfe) entlang der Burgstraße behandelt werden. Heute werden alle diese Güter in einer völlig anderen Weise genutzt als damals. Trotzdem scheint es mir wichtig, darüber zu berichten, weil man heute noch erkennen kann, wie die Burgstraße einmal ausgesehen haben muß. Pfarrer Wernicke widmete jedem Gut ein eigenes Kapitel.

 

Das vormals "von Mandelsloh`sche Gut" (Burg No. 8) liegt westlich der Pfarre. Gemäß Klettenberger Flurbuch von 1822 gehörten zu diesem Gut 140 6/16 Acker Land und 33 14/16 Acker Wiesen. Zur Zeit Pfarrer Wernickes war dieses Gut zur Domäne geschlagen, die es bis 1945 als Schäferei nutzte. Noch heute ist die Hofanlage gut zu erkennen. Die Gebäude bilden ein Quadrat (das Wohnhaus des Schäfers an der Burgstraße, zwei Schafställe an der West- und Nordseite sowie eine Scheune, die an das Pfarrgrundstück grenzt). Der Schafstall an der Westseite wurde erst 1997 abgerissen. Nördlich der Hofstelle befindet sich ein Teich, der Heller. Hierzu schreibt Pfarrer Wernicke:


Sein Wasser erhält er nicht bloß aus dem wilden Zulaufe des Regenwassers aus dem bergigen Thale des (großen) Schloßgartens, sondern aus einer in ihm selbst an seinem Ostende, an der Ecke des Pfarrgartens befindlichen, stets fließenden starken Quelle. Dieser ihn speisende Strudel soll der Sage nach aus dem Vogelsang kommen, wo sich eine Schleuse in dem Graben befindet, die aus diesem Wasser ableitet, das im Berge verschwindet, unter dem Haiberge, Kunstberge weggehen und hier seinen Ausgang haben soll ...


 

Weiterhin gehen aus der Chronik weitere Besitzer des Gutes hervor:

  • Im Jahre 1671 gehörte es der Familie von Tettenborn.
  • Bei einer Taufe am 18. April 1688 wird als Herr und Besitzer der Obrist von Mandelslohe zu Fronterode genannt.
  • Zur Zeit König Friedrich Wilhelm I. (1713 - 1740) wurde das Gut für 8.000 Thaler angekauft und dem Amt zugeschlagen.

 

Wüste Stellen

Westlich der Schäferei schloß sich Wall und Mauer der ehemaligen Burg und Festung an. Direkt an der Burgstraße ist heute noch eine Erhöhung zu sehen, unter der Pfarrer Wernicke noch Turmreste oder Kellergewölbe vermutete. Der Chronist meint, das hier ebenfalls ein Gut gestanden haben muß. Als Besitzer führt er von Rockow, danach Hesseroth auf. Danach gehörte es zum großen Schellerschen Gut.

 

Das Wolframsche Rittergut

bildet den Anfang der Burgstraße auf der Südseite. Zu ihm gehörten neben der niederen Jagd und Lehen noch 39 8/16 Acker Land, 8 4/16 Acker Wiesen und eine Schäferei (Flurbuch von 1822).

 

1835 wurde es mit Consens der Königlichen Regierung an einzelne hiesige Einwohner verkauft. Als Vorbesitzer gehen aus der Chronik hervor:

  • Herr Jacob Wolfram,
  • dessen Schwiegervater Schwoppe,
  • von diesem der Schwiegervater Hans Engel (1693)
  • Pastor Hesse (Hochzeit mit Anna Christiane Sophie Weiland am 12. Februar 1726)
  • Pastor Berzelius Weiland, Burgsaß (am 27. August 1730 in der Oberkirche begraben)
  • von 1640 - 1671 die Familie von Werther.

 

Das große Schellersche Gut

Ostwärts von den obrigen liegt das Rittergut des Oberamtmanns Conrad Wilhelm Scheller, auch der untere Hof genannt. Dasselbe hat in verschiedenen Fluren 11 Hufe Land und Wiesen. In Clettenberger Flur lagen 14 4/16 Acker Garten, 12 Acker Wiesen 290 4/16 Acker Land (Flurbuch 1822). Jagdgerechtigkeit, Lehen, Zinsen und Schäferei mit 550 Stück besitzt dasselbe gleichfalls. Im Hof befand sich ebenso wie auf dem kleinen Schellerschen Gut ein Brunnen. Diese beiden waren die einzigen im ganzen Ort (Anmerkung 1 und 2).

 

Die Geschichte dieses Rittergutes geht bis in den 30-jährigen Krieg zurück. Aus der Chronik können folgende Vorbesitzer genannt werden:

  • Der Amtsrat Johann Christian Scheller (Vater von Conrad Wilhelm Scheller), der 1791 aus dem Halberstädtischen hierher zog, und am 26. September 1804 verstarb.
  • 1752 der Kammerrat und Ritter Friedrich Volkmar Husung (19. November 1759 gestorben)
  • 1671 brach ein Feuer auf dem Gut des Junkers Caspar Heinrich von Mützschefahl aus, das die große Scheune in 3 Minuten in Asche legte.
  • 1648 heiratete am 19. November Junker Caspar Heinrich v. Mützschefahl eine Tochter des Obersten von Sternfeld.

 

Bis zum Ende des Krieges war das Rittergut in Besitz von Hickethier, der hier Augenheilkunde betrieb. Dieser Name taucht erstmals 1850 in der Chronik auf.

 

Nach dem Krieg wurde die Hofstelle des Rittergutes von der LPG genutzt. Durch einen Brand wurde ein Teil der Stallungen zerstört. Dieses Gebäude ist heute mit einem Flachdach versehen. Die Westseite war früher bebaut. Die große Scheune an der Straße existiert ebenfalls nicht mehr. Im Wohnhaus (Südseite) ist heute die Gemeindeverwaltung untergebracht. Dieses Gebäude ist noch vollständig erhalten und hat besonderen baugeschichtlichen Wert.

 

Das kleine Schellersche Gut

Oberhalb des großen Schellerschen Gutes liegt der kleine Schellersche Hof, der ebenfalls ein Burgsassengut war. Hierzu gehörten ein Garten, 26 Acker Wiesen, 120 Acker Land, untere Jagd, Lehen, Zinsen und Schäferei von 300 Stück.

 

Oberamtmann Scheller erstand es für fast 9.000 Thaler. 1835 baute er in den Garten einen großen Schafstall, der von der Torfahrt des Unterhofes bis an die Torfahrt des Oberhofes die Burgstraße heraufgeht. Das Gut mußte an die damalige Schule 3½ Sack Roggen entrichten. In der Chronik werden folgende Besitzer aufgeführt:

  • Familie von Wernrode am 10. März 1623 starb Wincenz von Wernrode, am 24. Februar 1624 hielt Otto Heinrich von Wernrode sein adliges Beilager. Er starb 1626 an der grassierenden Pest und seine frau zog nach Mackenrode.
  • Familie von Mützschefahl, die es in Folge der Kriegswunden 1656 an die Pfefferschen Erben und 1671 an die Stangenschen Erben versetzten. 1741 wieder im Besitz der Familie von Mützschefahl.
  • Familie Husung um 1750
  • Familie Hoefer 1763, 1773 wird Justitanus und Rittersaß Höfer als trauzeuge genannt.
  • Der Amtsrat Johann Christian Scheller kaufte das Gut 1791 für 18.000 Thaler
  • Seine Erben verkauften es an Andreas Köhler aus Haferungen, der es seit 1819 besessen hat und 1833 wieder schuldenhalber verlor.
  • Oberamtmann Wilhelm Scheller kaufte 1833 den väterlichen Besitz zurück.

 

Hier wird deutlich, welch wechselvolle Geschichte ein Hof erfahren kann.

 

Das Ritter- und Burgsassengut im Dorfe

liegt am Wege nach Neuhof dem Schnepfenwald des Amts, schräg gegenüber. Es stand sonst in der Burg auf der wüsten Stelle (siehe oben). Es hatte die niedere Jagd, Lehen, Zinsen; aber keine Schäferei. Zu ihm gehörten 1 8/16 Acker Garten, 12 5/16 Acker Wiese und 106 6/16 Acker Land. Der damalige Besitzer war Wilhelm Hesse, ein Ackermann aus Obersachswerfen, der es durch Zukauf auf fast 180 Acker Land brachte.

 

Vorbesitzer war der Hauptmann Ernst Ehrenreich von Rockow, der es 1765 kaufte und am 24.3.1807 starb (Anmerkung 3). Am 5. Oktober 1765 wurde dem Hauptmann hier das erste Kind geboren. Rührend war seine Copulation mit seiner bis dahin Zuhalterin Catharine Magdalene Wilken am 21.1.1773. Nachdem die Verlobten die Ringe gewechselt und sich die Hände gegeben hatten, mußen 4 bereits gezeugt Söhne ihre Hände auf die Hände der Eltern legen. Einer dieser Söhne, Friedrich Claus Anastasius ging am 18. März 1779 auf die Jagd, und am Morgen des 19. Fand man ihn auf dem Felde (Nösselthal) erschossen. Er war 15 Jahre alt und hatte Hand an sich selbst gelegt, wie damals berichtet wurde.

Vor von Rockow besaß das Gut die Familie Winsel.

 

Von allen hiesigen Burgsassen hat dieses Gut den Vorzug der bequemen Lage und die Nähe des hinter seinem Gehöft fließenden, durch Röhren auf den Hof selbst geleiteten Wassers. Den Garten, welcher seitlich am Wohnhaus lag, hatte es ehedem nicht; er war Gemeinderasen und ist für ein anderes Stück am Fuhrwege über dem Schellerschen Ackerstück am Klausfleck eingetauscht (Anmerkung 4).

 

1. Der Chattenborn (heute: Gatterborn) liegt in einer Kirschplantage nördlich des Kunstberges und gehörte ebenfalls zum großen Schellerschen Gut. Dazu schreibt der Chronist:


Er ist übermauert und Wohltat für das mit unbrauchbarem Kalkwasser heimgesuchten Clettenberg. Dies umso mehr, da bis jetzt der Brunnen noch nie, auch nicht in den trockensten Jahren versiegte und der einzige auch, der Wasser spendend war ... es bittert, schmeckt bitterlich, wenn mit demselben Fleischsuppe bereitet wird.


 

2. In der Nordostecke des Hofes steht noch ein Wasserturm mit Füllstandsanzeige.

3. Ernst Ehrenreich von Rockow wurde 1728 zu Treckwitz in der Altmark geboren, war sechs Jahre Page Friedrichs des Großen; hatte den Siebenjährigen Krieg im Regiment von Steuben mitgemacht und in demselben 7 Wunden erhalten.
4. Obwohl aus der Chronik nicht genau hervorgeht, um welche Hofseite es sich hier handelt, so ist zu vermuten, daß es sich um das spätere Grundstück der Familie Börgardts handelt, die hier eine Gipsfabrikation aufbauten und lange Jahre ihren Stammsitz hatten.

Georg und August Gottlieb Spangenberg

Einleitung

Wenige Einwohner wissen, dass um 1700 in Klettenberg eine bedeutende Familie ansässig war. Es handelt sich um den damaligen Pfarrer Georg Spangenberg, der sich um den Ausbau des 1647 begonnenen Neubaus der Schloßkirche verdient gemacht hat. Über die Landesgrenzen hinaus berühmt geworden, ist jedoch sein Sohn, August Gottlieb Spangenberg. Zum Gedenken an diese beiden Männer soll daher ihr Lebensweg aufgezeichnet werden.

 

Georg Spangenberg

Wurde am 2. Februar 1665 in Blankenburg am Harz geboren. Sein Vater und auch der Großvater waren hier Schwarzfärber.

 

Mit 25 Jahren tritt er den Schuldienst an. 1697 kommt er als Nachfolger für den Hofprediger Johan Caspar Mehler nach Klettenberg. Dieser war am 14. Okt. 1696 im Kreisloch ertrunken. Er heiratete Dorothea Katharina Nesenus, Tochter des Walkenrieder Stiftspredigers Johan Jacob Nesenus. Die Ehe war mit 5 Kindern gesegnet (Jacob Georg *15.4.1699, Johan Friedrich *15.4.1700, Georg Philipp *22.12.1702 und August Gottlieb *16.7.1704). Das letzte Kind verstarb im ersten Lebensjahr.

 

Eine seiner Lebensaufgaben bestand darin, sich um bedürftige Menschen zu kümmern. Im Jahre 1700 gründete er in Bleicherode eine Stiftung für die Prediger-Witwen und -Kinder in der Grafschaft Hohnstein. Diese wurde am 1. März 1700 durch Friedrich III. in Berlin bestätigt. Ziel dieser Stiftung war es, die Witwen der Prediger sowie deren Kinder vor einer Verarmung zu bewahren. Diese Kassen können als Vorläufer der privaten Rentenkassen betrachtet werden.

 

Zur Zeit Sayn-Wittgensteiner hatte er den Titel "Hofprediger". Dieser Titel wurde abgeschafft, als die Grafschaft 1699 zu Brandenburg kam. Ein weiterer Verdienst Georg Spangenbergs war es, die inzwischen verfallene Schloßkirche (Baubeginn: 1647) wieder aufzubauen. Dieser Verdienst wurde durch eine Holztafel, die an der Kanzeltür angebracht war, gewürdigt. Auf ihr stand in lateinischer Schrift geschrieben:


Ad honorem dei, feraque cultum ut et Christi huius loci gregis commodum premovendum altare hoc extruendum caravere Georgius Spangenberg Blankenburgensis t.t. Pastoris Clettenbergis Brant et Neuhoff ejusque conjux Dorothea Catharina Revid Domm.Jacobi Georgii Neseni pinkti quondamm et pastoris eccl. Walkenridensis bene merita filio anno M.D.C.C.V.I. die 10. Julii.

 

(Zur Ehre Gottes und Christi, des Hirten dieses Ortes und zur besseren Beförderung des Gottesdiensts haben die Errichtung dieses Altars befördert Georg Spangenberg aus Blankenburg, z. Zt. Pastor zu Clettenberg, Branderode und Neuhof und seine Gemahlin, des ehrenwerten Herrn Jacob Georg Nesen, eins Adjunct und wohlverdienter Pastor Walkenrieds, Tochter Dorothea Catarina anno 1706 am 10. Juli.)


 

Die Altarwand war mit zahlreichen Holzfiguren geschmückt (die vier Evangelisten sowie den Aposteln Petrus und Paulus). Ebenso wurde der alte Taufstein in den Altar eingemauert. Diesen fand man bei der Renovierung 1930 wieder. Heute befindet sich dieser Taufstein in der Frauenberger Kirche zu Nordhausen.

 

Die Einweihung der Kirche fand am 1. Weihnachtsfeiertag 1706 statt. Am 27.10.1707 musste Georg Spangenberg jedoch den Trauergottesdienst für sein Söhnchen in der neuen Kirche halten. Seine Frau Dorothea Katharina verstarb 10.4.1708; sie wurde in der Kirche beigesetzt.

 

Im Jahre 1709 kam zum Streit über ein Gesangsbuch, das der Pfarrer Damius aus Ellrich in der Grafschaft herausgebracht hatte.

 

Am 07.November 1709 heiratete Georg Spangenberg seine zweite Frau Christine Charlotte geb. Böhmer.

 

Im Alter von 48 Jahren verstarb Georg Spangenberg am 15. Oktober 1713. Seine Frau zog nach Hannover, während die Kinder vorübergehend bei Verwandten in Branderode unterkamen. 1717 folgte auch der jüngste Sohn August Gottlieb seinen Brüdern in das Gymnasium zu Ilfeld, wo er seine Ausbildung begann.

 

August Gottlieb Spangenberg

wurde am 16. Juli 1704 als vierter Sohn des Georg Spangenberg in Klettenberg geboren. Seine Ausbildung begann er 1717 im Gymnasium zu Ilfeld. Am 30.6.1722 immatrikulierte er sich, wie schon seine älteren Brüder, in der Universität zu Jena.

 

Im Jahre 1727 hatte Spangenberg die erste Berührung mit den Herrenhutern, einer protestantischen Brüdergemeinde, deren Grundlage ein ernsthaftes, frommes und arbeitssames Leben ist.

 

Die Magisterwürde erlangte er 1729 im Alter von 25 Jahren. Im Jahre 1732 folgte er einer Berufung an das Waisenhaus in Halle. Der Begründer Francke war ihm bereits aus Briefen seines Vaters bekannt. Durch die Verbindung zu den Herrnhutern wurde er jedoch 1733 aus Halle vertrieben. In den folgenden Jahren widmete sich Spangenberg ganz seinen missionarischen Aufgaben, die er mit dem Bischof der Brüdergemeinde, Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf abstimmte. Seine Reisen führten ihn 1733 nach Kopenhagen. Danach nach Württenberg, Amsterdam und London.

 

Im Jahre 1735 reiste er nach Nordamerika, wo er in Georgien und Pennsylvanien Siedlungen gründete und unter den Indianern missionierte. Die beiden Orte Bethlehem und Nazareth bei Philadelphia zeugen noch heute von dieser Mission.

 

1739 kehrte Spangenberg nach Europa zurück und heiratete am 4. März. Seine Reisen führten ihn wieder nach Holland und England sowie nach Schlesien.

 

Am 15. Juni 1744 wurde er Bischof der Brüdergemeinde. Kurz darauf reiste er nochmals für 5 Jahre nach Amerika. Seine Frau starb 1751. Ein halbes Jahr später reiste er zum dritten Mal für 2 Jahre nach Amerika. Danach war er wieder in London, von wo aus er abermals nach Amerika reiste. Er heiratete ein zweites Mal.

 

1760 starb Graf von Zinzendorf. 1762 kehrte Spangenberg nach Herrnhut zurück und blieb von nun an in Europa. Er unternahm nur noch kleine Reisen. Unentwegt war er in der Verbreitung seines Glaubens tätig. Neben vielen Kirchenliedern verfasste Spangenberg auch viele Bücher und Schriften. Hervorzuheben ist die mehrbändige Lebensgeschichte seines Vorbildes und Vorgängers Graf von Zinzendorf. Noch als 75-jähriger unternahm er Visitationsreisen. Im Jahre 1789 starb seine zweite Frau. Im Alter von 87 Jahren regte er die Mission in Afrika an.

 

Am 18. September 1792 starb Gottlieb Spangenberg im Alter von 88 Jahren in Berthelsdorf. Die Brüdergemeinde in Herrnhut erfreut sich heute noch regen Lebens.

  1. Das Todesunglück des >Predigers Johan Caspar Mehler wird in der Kirchenchonik erwähnt.
  2. Die beiden Orte Bethlehem und Nazareth liegen in der Nähe von Philadelphia (USA) und sind heute zu großen Städten angewachsen.

 

Quelle: Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen (Heft 22/1997)

 

Karl Schmidt, Klettenberg

Das Freibad

Die Gemeinde Hohenstein besitzt ein sehr schönes Freibad im Ortsteil Klettenberg.

 

Von den Kindern und Jugendlichen der Gemeinde wird es nicht nur in den Sommerferien ständig genutzt. Bei schönem Wetter verbringen sie auch während der Schulzeit dort gern ihre Freizeit.

 

Ein Nichtschwimmer- und ein Schwimmbecken sowie ausgedehnte gepflegte Liegewiesen sorgen für einen angenehmen Aufenthalt mit der Möglichkeit aktiver sportlicher Betätigung und zum Relaxen.

 

Ein besondere Attraktion und Höhepunkt ist das alljährliche Neptunfest. Das Freibad Klettenberg wurde 1969/1970 gebaut. 1998 führte die Gemeinde Hohenstein umfangreiche Rekonstruktionsarbeiten durch. Das Schwimmbecken wurde mit einer Stahlbetonwanne versehen und eine schützende Folie darüber gezogen. Eine Chlorgas- und Wasseraufbereitungsanlage mit modernen Filtern entkeimen und säubern das Wasser im ständigen Kreislauf. Im Nichtschwimmerbecken wird das Wasser täglich gewechselt.

Freibad

 

Freibad 2

Freibad 3

Kontakt

Bürgermeister Uwe Petri

Veranstaltungen

Weihnachtsmarkt Klettenberg

03. Dez 2022
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Veranstaltungsort: Vor dem Verwaltungsgebäude
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Gemeinsame Rentnerweihnachtsfeier Klettenberg und Holbach

07. Dez 2022
15:00 Uhr 
Veranstaltungsort: Haus der Vereine
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