Die Wasserkunst von Klettenberg

Zur Trinkwasserversorgung der Klettenberger Domäne wurde einst die so genannte Wasserkunst errichtet. Auf Grund ihrer Lage war ein natürlicher Zufluß mit Trinkwasser nicht möglich. Also mußte das für die Domäne benötigte Wasser künstlich herbeigeschafft werden, was mittels der Wasserkunst geschah. Noch heute zeugen einige Begriffe in Klettenberg von dieser Anlage.

Aus der Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßte, geht hervor, daß zur damaligen Zeit die Wasserkunst schon in Betrieb war. So wird in seiner Beschreibung der Burg schon ein Bassin erwähnt, in das das vom Kunstberg kommende Wasser gespeichert wurde (Chronik, § 14). Weiterhin heißt es in seiner Beschreibung des Dorfes (Chronik, § 24):

...Von dieser abwärts liegt die Wasserkunst, in welches in eisernen Röhren das Wasser in der Röhre - hier spricht man von Rehgasse hinauf bis auf einen isoliert stehenden Felsenberg - Kunstberg - preßt, woselbst es in einem steinernen Haus aufgefangen und durch hölzerne Röhren bergab durch eigene Schwere dem großen Schloßgarten zu und durch diesen, durch den Tempelberg in die Höhe bis auf den Brauplatz des Amtes geleitet wird. Das jetzige Haus der Wasserkunst, zu deren Abwartung das Amt einen eigenen Kunstmeister hat, ist ein steinernes Gebäude, das im Januar 1828 errichtet worden ist...

Aus diesen kleinen Auszug geht hervor, daß schon zur Zeit Pfarrer Wernickes die so genannte Wasserkunst betrieben wurde. Das oben erwähnte Bassin befindet sich unmittelbar nordwestlich des Tempels und ist heute in seinen Resten noch vorhanden.

Den so genannten Kunstberg werden ältere Bewohner noch kennen. Heute ist er durch den Abbau von Gips fast völlig abgetragen.

Aus einer Zeichnung geht hervor, wie das Kunsthaus beschaffen war. Die Pumpe (in der Zeichnung als Maschine bezeichnet) wurde von einem Mühlrad angetrieben, das überdacht war. Das Kunsthaus hatte einen Grundriß von 7,4 x 7,0 m. Es war mit einem Satteldach gedeckt und hatte eine Traufenhöhe von ca. 2,7 m. Das Dach besaß eine Höhe von 4,0 m und der Überstand am Mühlrad war ca. 2,0 m. Auf der Zeichnung ist weiterhin vermerkt, daß das Kunsthaus vom Pächter durch Verfügung vom 26. Mai 1914 abgebrochen werden sollte. Weiterhin ist folgender Vermerk zu lesen: "Das Gebäude ist im Februar 1922 niedergebrannt". Ob dieses Kunsthaus, das von Pfarrer Wernicke erwähnt ist, läßt sich nicht klären.

An Stelle des abgebrannten Kunsthauses mit Wasserrad wurde in den Jahren 1922/23 ein neues Pumpenhaus gebaut, dessen Pumpe offensichtlich von einer Wasserturbine angetrieben wurde. Reste davon waren bis in die heutige Zeit vorhanden.

Ebenso ist eine Zeichnung von dem runden Hochbehälter vorhanden. Sein Innendurchmesser betrug 4,7 m mit einer Höhe von 3,35 m. Daraus ergibt sich ein Fassungsvermögen von etwa 58 m3. Dieser Behälter war mit einem runden Dach abgedeckt, daß gemäß einer Notiz im Jahre 1838 abgebrochen wurde. Der Hochbehälter war ca. 2,0 m im Erdreich eingelassen; der herausragende Teil wurde durch eine gepflasterte Böschung gestützt.
Heute sind von der Wasserkunst mit Ausnahme des Hochbehälters am so genannten Tempel nichts nichts mehr vorhanden. Beachtenswert ist allerdings der große Aufwand, den man zur damaligen Zeit trieb, um Mensch und Tier mit Trinkwasser zu versorgen.

Für die damalige Zeit war diese Anlage mit Sicherheit eine Errungenschaft, die das Leben erleichterte.

Karl Schmidt, Klettenberg