Die Entwicklung der Schulen in Klettenberg

Klettenberg war, bedingt durch die Burg, später dann auch die Domäne, ein zentraler Ort. Diese Stellung hat sich bis zur Wende erhalten, was man unter anderem am Schulwesen ablesen kann. Den meisten Bewohnern sind nur die beiden heute noch stehenden Schulgebäude bekannt. Doch in früherer Zeit gab es für diese beiden Schulen schon Vorgänger.
Aus der Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßt hat, geht hervor, daß schon vor seiner Zeit das s. g. Claushaus als Schule genutzt wurde. Das Claushaus hat seinen Namen von der Claus-Kirche (Beate Mariae Virginis), von der heute nur noch der Glockenturm erhalten ist.
Hierzu heißt es in der Chronik:

Der Name Clausmann bezeichnet aber nach dem hier herrschenden Sprachgebrauch den Besitzer des an o. g. Kirchhofe gelegenen Hauses, in dem sonst die Ortsschule sich befand - man nennt ihn darum auch oft den Cluskanter - und welches am 26. Februar 1718 für 60 Thl. An Lorenz Jödicke verkauft wurde (I. 535, 563) und noch jetzt an die Kirche jährlich seinen (1) Thaler Erbenzins bezahlt und ihr in Gemäßheit den Verkaufsbedingungen lehnspflichtig ist. Von der Familie Jödicke gelangte das Haus an die Familie Machlitt; von dieser an Lier (Kirch. Buch von 1818), von dieser an Andreas Fuchs, dessen erste Frau eine geb. Lier war und hier den 15. April 1821 starb, was darum so genau bemerkt wird, weil 1837 die Eintragung der Lehnspflicht dieses Hauses in das Herzogliche Baubuch beantragt und versucht ist, diese Nichte beizubringen, was auch gelungen.

Aus diesem Abschnitt geht hervor, daß offensichtlich vor 1837 eine Schule, nämlich im s. g. Claushaus, existierte. Zur Zeit Pfarrer Wernickes war die Dorfschule in einem Haus untergebracht, das zwischen dem Pfarrhaus und der Schloßkirche stand. Dieser Schule widmete er ein eigenes Kapitel, in dem es heißt:

In dem vorher erwähnten Claushause war vordem die Ortsschule. Die jetzige ist ein Missionshaus dessen westlicher Giebel 1832 mit einem Kostenaufwande von 23 Thl. Erneuert werden mußte. Zu diesen Kosten gab der Landesherr 2/3 und die Gemeinde mit Ausschluß des dem Landesherren und Patron gehörigen Amtes, also mit Einfluß der Burgstraße 1/3 bei. Die Kirchengasse ist dazu nicht verpflichtet. Die Schule gehört nicht zu den Burgsassen hat auch jetzt noch keine Länderei, wird aber solche nach Vorschrift der Gemeindeteilungsordnung, ...(Rest nicht lesbar).
  • Der Pfarrgarten reicht noch jetzt bis an die Kirche heran.
  • Davor steht die Pfarrscheune in gar keinem Verhältnis mit der Länderei der Pfarre, obgleich sie ein ordentliches Gut gewesen ist; und jetzt auf den Hof beschränkt ist, so ist das durch die Mauer vom Pfarrgarten und Hof getrennte Schulhöfchen.
  • Die Schule hat keinen Garten hinter sich, den doch die kleinsten Häuschen haben, denn das an die Kirche angelegte Winkelschauer zur Straße ist Kirchengrund.
  • Die Schule hatte sonst keinen Ausweg vom Hofe auf die Straße und mußte ihr Vieh über den Pfarrhof ausgetrieben werden. Fast zu der Zeit des Pastors Große 1828 ist der Ausgang vom Hofe der Schule auf die Straße gemacht, dazu ein Stück der Schule gewölbt und ein Weg durch den Felsen gesprengt worden. Zur selbigen Zeit ist auch die Mauer zwischen dem Pfarr- und Schulhofe gebaut worden (vgl. auch Schmalings Hohnsteiner Magazin p. 344).


Ihr Schulgehalt steht I 21 ff verzeichnet, ferner in den Akten Testamonia Cantorata zu Clettenberg No.15 und Testamonia Gehalts Designation der Schulstelle 1835 No. 53 (Pfarrakten).
Zu I 21 ff wird daher nur bemerkt:

  1. Das Organistengeld konnte in dieser, 1640 gefertigten Designation, nicht stehen, denn es ist - conf: oben bei Kirche - 1656 erst gestiftet (I p. 472).
  2. Das jetzt zu entrichtende Schulgeld, wofür der Kantor auch die Schulstube mit heizen muß (a Kind 20 Groschen), ist in genannter Urkunde gleichfalls nicht aufgeführt.
  3. Die Naturalien vom Amte sind seit langem in Geldwerte verwandelt, welche mit 2 Thl. 10 Gr. jährlich vom Rentamte zu Nordhausen gezahlt wird.
  4. Nur der Scheffel Leinen, der dem Kantor auf Amtslande gesät werden muß, wozu er aber den Samen selbst zu liefern hat, ist noch in natura vorhanden. Es wird jährlich das Landungswesen berechnet und bestellt u.s.w. Durch die Separation wird aber auch dies verändert werden.

Hieraus geht hervor, wie hoch das damalige Schulgeld war und wie die Schule finanziert wurde. Ebenso die Besoldung des Kantors (zur damaligen Zeit war eine Bezahlung in Naturalien durchaus üblich).
Die oben beschriebene Schule wurde offensichtlich bis 1909 genutzt, denn der Bau des jetzt noch existierenden Schulgebäudes in der Ortsmitte ist auf das Jahr 1909 datiert.
Dieses Gebäude, mit zwei großen Klassenräumen im unteren und zwei Wohnungen für die Lehrkräfte im oberen Stock, wurde als allgemeinbildende Schule bis etwa 1970 genutzt. 1998 wurde es im Rahmen der Dorferneuerung saniert. Zur Zeit wird es zur Umschulung von Aussiedlern genutzt.
In der Zeit von 1965 bis 1968 waren die 5. bis 10. Klasse in den Baracken an der Straße nach Holbach untergebracht.
Die vierte Schule liegt am südlichen Dorfrand von Klettenberg. Sie wurde im Jahre 1968 als Polytechnische Oberschule Thomas Müntzer erbaut. Das Einzugsgebiet umfaßte folgende Ortschaften:

  • Branderode
  • Holbach
  • Klettenberg
  • Liebenrode
  • Limlingerode
  • Mackenrode
  • Obersachswerfen und
  • Steinsee

Bis 1977 gehörte auch Günzerode dazu. Das Schulgebäude ist u-förmig angelegt. Auf dem weiträumigen Gelände befindet sich außerdem eine Turnhalle, die vom hiesigen Tischtennisverein und von der Frauengymnastikgruppe genutzt wird.
Nach der Wende beinhaltete diese Schule bis 1993 die Regelschule für die umliegenden Ortschaften. Ab 1993 war sie die Regelschule Ellrich/ Klettenberg. Ab 1995 wurde sie zur Grundschule für die schon oben angeführten Ortschaften. Heute sind in der Schule etwa 10 Lehrkräfte beschäftigt. Die Schule wird heute vom Landkreis Nordhausen getragen.

Karl Schmidt, Klettenberg