350 Jahre Schlosskirche Klettenberg

Sicher ist jedem in der Gemeinde Hohenstein die Schloßkirche in Klettenberg bekannt, die in diesem Jahre (1997) 350 Jahre alt wird. Ihr Bau begann 1647. Zur damaligen Zeit hatte die Dorfgemeinde eine eigene Kirche (Beate Mariae Virginis), die an der Straße nach Tettenborn lag. In der Kirchen-chronik von 1837 (Pfarrer August Friedrich Gottfried Wernicke) ist über die Schloßkirche folgendes zu lesen:
Die St. Georgii Kirche, auch Schloß- und Oberkirche genannt, und zwar darum, weil sie beides war. Seit 1706 ist sie das Gotteshaus für alle Orts- und nicht bloß Burgbewohner geworden. Sie ist am großen Schloßgarten erbaut, bis unter das Dach Mauerwerk. 38 Schritt (23,2 m) lang, 20 Schritt (12,2 m) breit und ein freier Raum von 26 Schritt Länge trennt sie von der nach Osten liegenden Vogtei. Ihr Mauerwerk mag ungefähr von dem Abhange 50 Fuß (15,2 m) hoch sein; am östlichen scheint es wohl ein Stockwerk einzudringen, weil hier das Gebäude in den laufenden Tempelberg hineingebaut ist.

Sie hat vier Eingänge:

  • den Eingang aller auf der Burgstraße
  • einen Zugang für den Prediger nach dem Schloßgarten
  • am Ostgiebel für Amt und Prediger und
  • einen für den Stand des großen Schellerschen Gutes, welches dem Glockenstuhl zunächst liegt.

Das gebrauchte Wort Glockenstuhl zeigt schon, daß sie keinen Turm hat...
An der Kirche unter dem freien Raum zwischen ihr und der Vogtei ist das fast 20 Fuß (6,1 m) im Quadrat haltende gräfliche Begräbnisgewölbe. Sein Eingang befindet sich in der Kirche hinter dem Altar. Von den gräflichen Leichen, die, wie gesagt 1702 hierher vom Tempel gebracht wurden, ist nichts mehr zu sehen.

Über den Bau der Schloßkirche ist in der Chronik weiterhin zu lesen:
Die jetzige St. Georgiikirche ist nicht mehr die alte, gräfliche Kapelle. Diese war so baufällig geworden, das sie 1647 (ef. 1. 463) durchaus erneuert werden mußte. Der Oberst Berkefeld, der damals das Amt inne hatte, unterstützte in diesem Unternehmen den Schloßprediger Urbani, der den Bau im Verein mit dem Amtsverwalter Lange leitete; der genannte Berkefeld überließ zudem 52 Reichsthaler Standgeld und gab diese als Beitrag für die Altaristen...

Damals wurden für den Neubau durch Kollekten 105 Reichsthaler und 6 Groschen aufgebracht. Auch mußten alle Kapitalien aufgebaut werden. Den Rest zahlte die Kirchengasse. Wie hoch die Baukosten insgesamt waren, läßt sich heute nicht mehr ermitteln. Zur damaligen Zeit bekamen die Handwerker 69 Groschen Tagelohn.
1833 wurde vom damaligen Landesherrn Friedrich Wilhelm III. eine neue Orgel gestiftet, die der Orgelbauer Christian Knauf aus Groß Trebra bei Gotha baute. Die heute zerstörte Orgel wird in der Kirchenchronik ebenfalls beschrieben. Sie hatte 3 Bälge, 2 Manuale und Pedal (19 Register mit 739 Pfeifen).
Vermutlich 1936 wurde die Kirche ein weiteres mal renoviert. Noch heute vorhandene Postkarten zeugen davon, wie schön diese Kirche einmal war. Bedingt in der Randlage in der Sperrzone, wurde die Schloßkirche 1975 aufgegeben und war nur noch als Ruine ausgewiesen.

Nach der Wende gründete sich ein Förderverein, der sich zum Ziel gesetzt hat, diese Kirche wieder in einen würdigen und ihrem Zweck entsprechenden Zustand zu versetzen. Bisher wurden aus Mitteln des Denkmalschutzes der Dachstuhl, die tragende Holzkonstruktion und das Tonnengewölbe repariert. Ebenso konnte auch das Dach neu eingedeckt werden, so daß ein weiterer Verfall gestoppt ist. Dringend nötig ist die Sanierung des Mauerwerkes und der Fenster. Hiermit soll noch dieses Jahr begonnen werden.

Zum 350-jährigen Jubiläum veranstalteten der Förderverein und die Vereine des Ortes Klettenberg am 13. September 1997 ein Jubiläumsfest, welches mit einem Festgottesdienst eröffnet wurde.

Karl Schmidt, Klettenberg