Seit dem Dezember 2002 weist die literarische Landkarte Deutschlands einen neuen Tupfer auf. Er befindet sich im 20 km westlich von Nordhausen gelegenen Dorf Limlingerode. Dort wurde in den letzten Jahren viel Arbeit auf die Wiederherstellung des Hauses verwandt, in dem 1935 die Dichterin Sarah Kirsch geboren wurde. Sie selbst hatte zwischenzeitlich den im Sperrgebiet liegenden Ort und das dortige Haus, in dem sie die ersten drei Lebensjahre verbrachte, aus dem Gedächtnis verloren. Man schickte ihr manchmal noch Fotos von Limlingerode, doch sie wusste damit nichts anzufangen.

Mit Phantasie und Durchhaltevermögen

Das änderte sich erst in der zweiten Hälfte der 90er Jahre und hat viel mit dem Engagement mehrerer thüringischer Frauen zu tun. Allen voran Heidelore Kneffel. Die Pressesprecherin beim Landratsamt Nordhausen lud Sarah Kirsch erstmals 1996 zu einer Lesung nach Limlingerode ein. Einige Monate später konnte sie ihr brieflich bereits mitteilen, dass ihr Geburtshaus nun unter Denkmalschutz stünde. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Haus noch in einem sehr bemitleidenswerten Zustand. Es gehörte einige Phantasie und viel Durchhaltevermögen dazu, dem Haus eine Zukunft zu sichern.

Von der "Pfarre" zur Dichterstätte

Im März 1998 gründeten Heidelore Kneffel und die Nordhäuser Malerin Karin Kisker mit weiteren Literatur-Enthusiasten den Förderverein "Dichterstätte Sarah Kirsch". Die Zusammenarbeit mit Denkmalpflegern, Handwerkern, Politikern und Geldgebern zahlte sich aus. Für schließlich 500.000 Euro erhielt das Haus seine Ansehnlichkeit zurück, um nun neuen und vielfältigen Zwecken zu dienen. Die Dichterstätte beherbergt einen für Lesungen und Ausstellungen geeigneten Vortragssaal, eine Galerie im Eingangsbereich, eine Bibliothek und ein kleines mietbares Schriftsteller-Domizil. Ein Hauptanliegen ist die Beschäftigung mit dem Werk von Sarah Kirsch, die mittlerweile schon zu mehreren Lesungen in Limlingerode weilte. Die kulturellen Aktivitäten sind deshalb aber nicht auf die Dichterin fixiert. Es wird nach literarischen Verwandten, ebenso sehr wie nach Bezügen zu anderen Künsten gesucht. So lasen dort bisher Christoph Wilhelm Aigner aus Salzburg, Undine Materni aus Dresden, Wilhelm Bartsch aus Halle. Zu Vorträgen kamen u.a. Dr.Hans Joachim Schädlich aus Berlin und Dr. Christl Hartinger aus Leipzig. Der Vortragsraum heißt nicht umsonst "Salong Musenbund". Noch bevor das Haus fertig war, hat man in Limlingerode die kulturelle Trommel gerührt. Seit 1998 finden im Sommer jährlich die sogenannten "Limlingeröder Diskurse" statt. Sie stehen jeweils unter einem Thema und führen Künstler und Wissenschaftler verschiedener Gebiete und Musen mit den Besuchern zusammen.