Der Mühlgraben und die anliegenden Mühlen

Vielen älteren Mitbürgern aus Klettenberg und Holbach wird noch der Mühlgraben bekannt sein, der vielen Mühlen dieser beiden Ortschaften als Antriebsquelle diente. Heute ist er, bedingt durch den Ausbau der ehemaligen Grenze zweckentfremdet, da kein Wasser mehr aus dem Sachsengraben bei Neuhof abgeleitet wird.
Aus der Klettenberger Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßte, geht hervor, wie viele Mühlen in der damaligen Zeit mit diesem Graben betrieben wurden. Über den Verlauf des Mühlgrabens schreibt Pfarrer Wernicke:

... Dieser Mühlgraben "Der Halabach" wird unterhalb des Dorfes Neuhof durch Abstauung aus dem Sachsengraben abgeleitet. Von da zieht er sich in Branderöder Flur an der s. g. Maht in fast östlicher Richtung fort, durchschneidet den s. g. Eselsweg - der seinen Namen wahrscheinlich, die in den Mühlen sonst zum Fort- und Herbeischaffen des Mahlgutes gebräuchlichen Eseln, verdankt - cf. Herrnmühle - von hier ab dreht er sich nach Süden, dem Haiberge zu. Diesen nach kurzem Laufe erreichend, biegt er nach Westen um, zwischen dem Vogelsang und dem Hofe, welcher zur Liesebiel gehört, biegt dann abermals in der Nähe des Schnepfenackers um die Spitze des Vogelsangs nach SSO um und erreicht bei der s. g. Schnepfmühle das Dorf Clettenberg...

Weiterhin geht aus der Chronik hervor, welche Mühlen ehemals am Mühlenbach betrieben wurden. Es sind Mühlen:

  1. Die Schnepfmühle, mit zwei Fällen (Grundstück Rollfinke)
  2. Die Münzmühle, weil hier die gräfliche Münze gestanden hat (heute Fam. Apel)
  3. Die Gemeindemühle (Grundstück Börgardts)
  4. Die Wasserkunst (Fam. Petri)
  5. Die Herrenmühle (Fam. Sander)
  6. Die Steinmühle (ehem. Fam. Roloff)
  7. Espenmühle (Fam. Mund)
  8. Im Ort Holbach (Name unbekannt)
  9. Hinter Holbach (Name unbekannt)

Wobei die Mühlen 1. -6. in Klettenberg und die Mühlen 7. - 9. in Holbach betrieben wurden.

Bevor der Mühlbach die Steinmühle erreicht, verschwindet er im Steinberge (heute Kalkberg genannt) und kommt auf der südlichen Seite wieder zum Vorschein. Dieser Umstand war für die Steinmühle zum Vorteil, da sie im Winter wenig mit Vereisung zu tun hatte. Hinter Holbach fließt der Mühlgraben in die aus Mackenrode kommende Ichte.
Rechnet man für jede Mühle ein Gefälle von ca. 3m (in der Chronik 10 Fuß) so ergibt sich von der Schnepfmühle bis zur untersten Holbacher Mühle eine Fallhöhe von etwa 30m!

Heute wird der Mühlgraben nur noch zweckentfremdet als Abwassergraben genutzt - schade.

Karl Schmidt, Klettenberg