Aus der Kirchenchronik von Klettenberg

Teil 1: Die Burg

Aus der Klettenberger Kirchenchronik, die der damalige Pfarrer Wernicke im Jahre 1837 verfaßte, geht eine sehr genaue Ortsbeschreibung hervor. Gemäß der damaligen Bedeutung dieser Burg (Pf. Wernicke spricht in der Chronik auch vom "Amt") stellt er ihre Beschreibung als den wichtigsten Bestandteil des Ortes voran. In den folgenden Beiträgen soll daher die gleiche Reihenfolge verwendet werden, wie in der Chronik. Desweiteren sei bemerkt, dass noch heute Reste der beschriebenen Gebäude vorhanden sind, so dass man sich gut daran orientieren kann.

Zur Bedeutung des Amtes heißt es in der Chronik:

Selbst da das Dorf längst aufgehört hatte, seinen Landesherren in seiner Burg zu behausen und bis 1806 war hier eine bedeutende Erhebungsstelle der herrschaftlichen Gefälle und abgesehen von dem Umstande, daß alle umliegenden Dörfer dem hiesigen Amte mit Pfand und Hand dienstbar waren, befand sich auch zu Clettenberg der Sitz des Gerichtes."

Weiterhin ist zu lesen, dass das Amt aus zwei Amtleuten, einen Archivarius und Amtsschreiber sowie einem Ober- und Untervogt bestand, die die Befugnis der Halsgerichtbarkeit besaßen. So fanden in den Eichen Obersachswerfens folgende Hinrichtungen statt:

  • 23.12.1663 Anna Liebening, Epschenrode wegen Ehebruchs und Kindesmord enthauptet
  • 18.11.1666 Steinacker, Haferungen wegen Mordes enthauptet
  • 04.07.1668 Hans Holzapfel, enthauptet und aufs Rad geflochten, weil er seine Frau erhängt hatte.

Zum Zustand der Burg ist in der Chronik folgendes zu lesen:

Sie liegt auf dem Rücken des Tempelberges und war ehedem mit Mauer und Wall umgeben. Von ersterer sind nur noch einzelne Spuren zu sehen. Von der auf dem Tempel mit seinem Kern gestandenen sehr festem Schlosse auch von dem Felsenbrunnen desselben, ist mit Ausnahme eines Gewölbes auf der Nordseite - es ist jetzt auch abgebrochen - und ein zwei Mauerresten, nichts mehr zu sehen und der Tempel steht wieder in seiner natürlichen Nacktheit und bietet nur noch seine herrliche Aussicht dar - an ihm soll der Erzählung der ältesten Leute nach, früher noch ein mächtiger Felsblock gewesen sein, aus dem beständig Wasser heraustropfte, der aber heruntergestürzt ist.

Dabei ist der ursprüngliche Umfang des "Tempels" genannten Felsen durch zum Bedarf des Bauens geschehenen Absprengungen jetzt leider sehr vermindert. Dieser Zustand der Vernichtung wurde im dreißigjährigen Kriege durch Tilly begründet, der vom Verlust der Schlacht bei Breitenfelde schon zu Raubzügen von Gustav Adolf genötigt, die Festungswerke 1631 sprengen und zerstören ließ. Das übrige tat die Zeit und der Vandalismus...

Zur Zeit des Chronisten war die Burg wie folgt bebaut:

  • Schmiede - Östlich von und dicht unter dem Tempel liegt die von ihrem Jetztbesitzer Wilhelm Tolle neu erbaute Schmiede. Die Anlage, Grund und Boden gehörte sonst zum Hause (Amte)...
  • Ein Kollonistenhaus in der Burg, dessen Besitzer Erbenzins entrichtet, darum nicht zu den Burgsassen gehört. Das Haus ONO vom Tempel hat einen Garten, der an dem Fuhrwege liegt und an die Schmiede stößt...
  • Hart unter dem nördlichen Tempel liegt der Kalkschuppen und das Spritzenhaus zum Amte gehörend. In einem abgesonderten Raume steht die gemeinschaftliche Feuerspritze der Gemeinden Klettenberg und Branderode. Sie hat zwei Züge und ist 1761 gebaut; sonst hatte sie den Stand auf dem Amte...
  • Das Amt, hiesigen Ortes selbst in Schriften auch das Haus und Herrenhaus genannt, weil die gräfliche Wohnung, dessen vorzüglichster Teil war. Dieses hieß herkömmlich auch das Schloß, auch da noch, als das eigentliche Schloß (Turm und Festung auf und um den Tempel) längst verschwunden war...

Jetzt besteht das Amt, zu welchem zwei große mit mächtigen Tiefen, Schluchten, Felsen reichlich versehenen Gärten (Schloßgärten nennt man sie noch) gehören, aus folgenden Einzelheiten:

  • Das Amt und Wohnhaus, welches 1790 anstelle aber nicht auf der Stelle des alten, eingefallenen und abgebrochenen gräflichen Flügels massiv erbaut worden ist. Hier und vorher im gräflichen Flügel befand sich bis 1806 das Lokal in Klettenberg (Justizamt und die ihm vorangegangenen gräflichen Behörden)...

Zu den Amte gehören ferner an Baulichkeiten:

  • Die Gebäude auf dem Brauhofe (Brauplatze) eine Scheune quer in Richtung des Tempels von Nord auf Süd sich streckend gebaut. Östlich ein Schuppen der vorigen gegenüber und ihr parallel laufend, südlich dem Brauhause vom Tempel ab nach Westen sich ziehend. Zwischen diesen Gebäuden ist ein freier Platz, der Brauplatz, Hof genannt. Auf ihm, dicht an der Mauer nach dem Tempel zu und am Giebel jener Scheune, ist ein steinernes Bassin, in daß das durch die Wasser- kunst hierher geförderte Wasser sich ergießt, von dem es durch Rohre auch auf dem Unterhof geleitet wird. In diesem Brauhause wurde früher eine sehr bedeutende Brauerei betrieben...
  • Gebäude zwischen dem Brauplatze und kleinem Schloß "Amtsgarten" und dem welcher sich in dem Thale zwischen dem Tempelberge und Steinberge von West nach Ost weit über das Amt hinaus bis an das Rodeland hinzieht.
    • Ein Schafstall von Nord nach Süd fast laufend, massiv,
    • Schweineställe.
    • Von ihnen nach Westen der massive Kuhstall,
    • Der Pferdestall für 4 ½ Gespann und von ihnen nach Westen 5 drei unter einem Dache stehenden großen Scheunen
  • Die Hinterwand, nach dem kleinen Schloßgarten, ist bei allen diesen Gebäuden eine starke, bis unter das Dach gehende durch steile Strebepfeiler gestützte Mauer, wie dies auch beim Brauhause an der Nordseite der Fall ist.
  • Des Verwalters Gebäude, massiv, ist von Nord nach Süd gerichtet und schließt den Amtshof von dieser Seite. Seine Seitenwand ist die Grenze des oberen kleinen Schloßplatzhofes.
  • Die Vogtei, ehemalige Wohnung der Amts (Ober- und Unter-) Vögte, massiv, liegt vor dem Amts- haus, das ganz abgesondert am großen Schloßgarten und ist demjenigen welcher von Ost nach West in dem Thale zwischen dem Tempel und dem Heuberge sich hin aufzieht. Zwischen ihm und der St. Georgiikirche ist ein freier Raum, den ein Zaun vom großen Schloßgarten trennt.

Zu dem Amt gehörten damals außerdem drei Schäfereien:

  • in Branderode (wurde nach Klettenberg verlegt)
  • in Holbach (wurde ebenfalls nach Klettenberg verlegt)
  • eine Doppelschäferei in Klettenberg,auf dem vormals von Mandelslohischen Gute sind dazu in neuester Zeit 2 große steinerne Schafställe errichtet

Weiterhin schreibt der Chronist:

"Das Amt hat ferner die hohe und niedere Jagd, welche aber beide eigens von dem Staat verpachtet ist. Ebenso hat es einen besonderen, verschlossenen Kirchenstand, zu dem ein eigener Eingang auf der Ostseite führt, welchen es gemeinschaftlich bloß mit dem Prediger benutzt, der dazu wie der Amtmann einen Schlüssel hat. Der Kirchenstand befindet sich rechts (Nordseite) von der Kanzel.

Verlehnt wird dieser Stand als Stelle des Patrons der Kirche; bei Veränderungsfällen nicht.

Aus der obigen Beschreibung geht hervor, welche Bedeutung das Amt um 1837 gehabt haben muß. Da die Gebäude oder deren Reste noch teilweise vorhanden sind, kann man sich noch heute von den Ausmaßen dieser Anlage überzeugen. Dazu noch einige Anmerkungen:

  1. Das Amt war damals eine königliche Domäne, die jeweils auf 12 Jahre verpachtet wurde. Sie bestand bis zum Ende des Krieges. Ein Teil dieser Gebäude ist heute noch vorhanden. Ebenso existieren darüber noch Lagepläne der Domänenkammer.
  2. Das unter 4. A) genannte Wohnhaus wurde bis zum Ende des Krieges vom Domänenpächter genutzt und ist nach 1945 durch Brand zerstört.
  3. Ein Schafstall der oben genannten Doppelschäferei wurde vor einigen Jahren abgerissen.
  4. Der Patronatsstuhl des Amtes (Kirche) ist bei der letzten großen Renovierung (1933) abgebaut. Spuren sind noch sichtbar.

Teil 2: Die Kirche, Schule und Pfarre

Wie schon in Teil 1 berichtet, stellte der Chronist Pfarrer Wernicke (1837) die Beschreibung der Burg als den wichtigsten Bestandteil des Ortes voran. Es folgt darauf die Beschreibung der Kirche, der Schule und der Pfarre.

Die St. Georgii Kirche

Über diese Kirche wurde schon zum 350-jährigen Bestehen berichtet. Sie wurde auch als Schloß oder Oberkirche bezeichnet. Ihr Bau begann 1647. Zu dieser Zeit hatte die Dorfgemeinde eine eigene Kirche (Beate Mariae Virginis), die an der Straße nach Tettenborn stand. Seit 1706 ist sie das Gotteshaus für alle Orts- und nicht bloß der Burgbewohner geworden. Sie ist am großen Schloßgarten (Kirschberg) erbaut und besteht bis unter das Dach aus Mauerwerk.
Die Kirche ist 27 m lang, 12 m breit und ihr Westgiebel hat eine Höhe von ca. 15 m. Auf jeder Seite befinden sich 4 Rundbogenfenster, ehemals mit Bleiverglasung. Die vier Eingänge wurden früher in folgender Weise genutzt:

  • der Eingang Aller auf der Burgstraße,
  • der Eingang auf der Nordseite für den Prediger,
  • der nördliche Eingang am Ostgiebel für das Amt und den Prediger sowie
  • der südliche Eingang am Ostgiebel für den Stand des großen Schellerschen Gutes (heute: Sitz des Gemeinderates).

Am Ostgiebel, außerhalb der Kirche befand sich das unterirdische, gräfliche Begräbnisgewölbe von
6 X 6 m. Sein Eingang ist in der Kirche hinter dem Altar. Von den gräflichen Leichen, die 1702 hierher gebracht wurden, ist heute nichts mehr zu sehen. Einen Turm hat diese Kirche nicht. In dem abseits stehenden Glockenstuhl ist Platz für zwei Glocken. Heute ist nur noch eine vorhanden.

Aus der Chronik sowie aus weiteren geschichtlichen Quellen gehen folgende Jahreszahlen hervor:

  • 1506: Die Dorfgemeinde hatte früher eine eigene Kirche (Beatae Mariae Virginis), die im Archidiaconatsregister von 1506 aufgeführt ist.
  • 1647: Der Bau der Schloßkirche begann unter Leitung des Schloßpredigers Urbani, der durch den damaligen Amtsinhaber Oberst von Berkefeld unterstützt wurde. Sie wurde an Stelle der alten gräflichen Kapelle erbaut, da diese baufällig geworden war.
  • 1704: Ausbau der Kirche. Auf dem Aufsatz des Altars, der die Kanzel umschließt, standen Holzfiguren der 4 Evangelisten und der Apostel Petrus und Paulus.
  • 1706: Einweihung der Schloßkirche, die aber noch nicht fertiggestellt war. In diesem Jahr verband sich die Dorfgemeinde mit der Schloßgemeinde. Der Name der Kirche ist ungeklärt. In der Kirchenchronik von 1837 wird die Schloßkirche als St. Georgii Kirche bezeichnet.
  • 1708: 16. Oktober fand die erste nachgewiesene Amtshandlung statt: Hochzeit des Herrn Hans Lorenz Ernst.
  • 1718: wurde der so genannte bemalte Himmel der Kirche, die Kirchenstühle der Burgstraße erbauet und das Positiv (1. Orgel) repariert.
  • 1933: Renovierung der Kirche. Noch vorhandene Postkarten zeugen davon, wie schön diese Kirche einmal war.
  • 1975: wurde die Kirche, bedingt durch die Randlage in der Sperrzone, aufgegeben. Die Kirche wurde in dieser Zeit als Ruine ausgewiesen.
  • 1993: Gründung des Fördervereins St. Nicolaikirche Klettenberg e. V. mit dem Zweck des Wiederaufbaus und der Restaurierung der Schloßkirche zu Klettenberg.
  • 1997: Für den Wiederaufbau wurden mit öffentlichen Mitteln bereits folgende Arbeiten durchgeführt: Die tragende Holzkonstruktion und der Dachstuhl sind repariert. Das Dach ist neu eingedeckt Und der Westgiebel ist neu behängt. Der Giebel auf der Ostseite ist neu verkleidet. Das Tonnengewölbe ist fast vollständig erneuert.
  • 1999: Einbau neuer Fenster, da die alten zerstört waren. Die Kirche kann nun wieder genutzt werden.

Ebenso geht aus der Chronik hervor, dass die Kirche zunächst keine Orgel hatte. Erst im Jahre 1656 schenkte der damals regierende Graf Johann von Sayn-Wittgen- und Hohenstein ein Positiv. Da zu dieser Zeit die Mittel zur Besoldung des Organisten fehlten, wurde festgelegt, das jedes Haus jährlich 4 Groschen Organistengeld zu zahlen hatte. Im Jahre 1718 wurde das Orgelpositiv repariert.
1833 wurde die alte Orgel durch eine neue ersetzt. Friedrich Wilhelm III., damaliger Landesherr, stiftete 400 Thaler für den Neubau der Orgel. Die Gemeindemitglieder stifteten 132 Thaler 15 Groschen und der Gemeinderat übernahm einen Betrag von 53 Thalern 15 Groschen. Sie wurde von dem Orgelbauer Christian Friedrich Knauf aus Groß Trebra bei Gotha erbaut. Die Orgel hatte 3 Balge, zwei Manuale und Pedal (19 Registern mit 739 Pfeifen). Heute ist die Orgel bedingt durch den Verfall der Kirche völlig zerstört.
Die Finanzierung des Neubaus ist nur teilweise aus der Chronik ersichtlich, da zur Zeit Pfarrer Wernickes nicht mehr alle Unterlagen zur Verfügung standen. Demgemäß spendete der genannte Berkefeld 52 Reichsthaler. Hans Kassler, Andreas Thomeyer und Hans Spangenberg brachten durch Kollekten in und außerhalb des Ortes 105 Reichsthaler und 6 Groschen zusammen. Die Kosten welche durch diese Kollekte nicht gedeckt wurden, zahlte die Kirchenkasse. Ebenso mußten - so der Chronist - für den Neubau auch alle Kapitalien aufgebraucht werden. Zur damaligen Zeit erhielt ein Handwerker pro Tag 69 Pfennige Tagelohn.

Gemäß Chronik schenkten zum Neubau der Kirche:

  • der damals regierende Graf Gustav 50 Thaler
  • seine Gemahlin Anna Helene 25 Thaler
  • die junge Gräfin Louise 12 Thaler
  • der gräfliche Hofmeister 10 Thaler
  • der gräfliche Kanzler Joh. Hr. Rippel 10 Thaler
  • Hof "Canzlei" Cons. Rath de Georges 10 Thaler
  • Amtmann Weiland 10 Thaler
  • Kammerschreiber Philipp Weber 10 Thaler
  • Kammerschreiber Otto Christoph Ravensberg 12 Thaler
  • Conrad Fischer 15 Thaler
  • Consist. Rath 12 Thaler
  • Herr von Kampe 10 Thaler
  • Herr Otto 6 Thaler
  • Herr Müller Nicolaus 2 Thaler
  • Haus Heinrich auf der Münze 2 Groschen

Summe: 194 Thaler 2 Groschen

Aufgrund ihrer Größe ist diese Kirche keine gewöhnliche Dorfkirche, sondern sie unterstreicht die damalige Bedeutung des Ortes mit Burg und Amt. Nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Kulturdenkmal sollte sie unbedingt erhalten werden.

Die Schule

Über die Entwicklung des Schulwesens wurde schon ausführlich berichtet. Zur Zeit Pfarrer Wernickes befand sich die Schule zwischen Pfarre und Kirche. Durch die beengten Verhältnisse des Schulgrundstücks wurde im Jahre 1828 ein Weg vom Hinterhof zur Straße angelegt. Die Mauer zwischen Schule und Pfarre beschreibt deshalb einen Bogen, der heute noch sichtbar ist.

Die Kinder wurden zur damaligen Zeit vom Kantor unterrichtet. Das Schulgeld, wovon auch die Schulstube geheizt werden mußte, betrug je Kind 20 Groschen. Das Gehalt wurde vom Rentamt in Nordhausen bezahlt; es betrug zwei Thaler und 10 Groschen. Weiterhin erhielt der Kantor in Naturalien einen Scheffel Getreide, das auf Amtsland bestellt werden mußte, wofür er aber Samen zu liefern hatte.

Die Pfarre

Das Pfarrhaus wurde 1685 als Fachwerkbau errichtet. Damals war der Hof von Wirtschaftsgebäuden umgeben, von denen heute nur noch ein Stall mit Wagenremise vorhanden ist. Die angrenzende Scheune im Westen wurde 1930 bereits abgebrochen. Ebenso sind die zur ehemaligen Schule angrenzenden Ställe nicht mehr vorhanden. Nach Norden erstreckt sich der Pfarrgarten bis zur Talsohle und wird vom großen Schloßgarten eingegrenzt. An der Westseite des Gartens liegt der "Heller", ein kleiner Teich, der von einer Quelle gespeist wird, die jedoch auf dem Pfarrgrundstück liegt.
Über die Pfarre ist in der Chronik von Pfarrer Wernicke zu lesen:

Sie liegt westlich von der Schule und ist ein adliges Gut gewesen (Hohensteiner Magazin 343 conf. § 39) woher es denn kommen mag, daß ihre Länderei (120 Ruten) nicht bloß in Klettenberger und Branderöder, sondern zu einem Teil auch noch in Holbächer (53/4 Ruten) und in Mackenröder (über ein halbes Jasto) Flur liegt, daß sie ferner so bedeutenden Lehnsgrund stärkte - 12 Häuser und noch 12 Jagen Ländereien - hat; daß ihr in Klettenberg 2 und in Branderode 5 Häuser dienstbar sind und in der von Mackenrode kommenden Ichte bei ihrem so genannten Kirchgraben und Ichtewiesen die Fischerei zusteht und in Gemeinde - Holzflur, der Vogelsang, Jagd zugestanden hat.

Die beiden letzten Rechte sind noch bis in die neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts von dem Prediger ausgeübt, und Schreiber selbst ist von seinem Arbeiter Christian Wagner oft angegangen worden, die Fischerei auszuüben, obwohl er es doch für den Stand des Predigers unangemessen hielt. Die Verwendung eines adligen Gutes zur Pfarre und Pfarrdotation erklärt sich übrigens dem Umstand, daß der Pfarrherr zu Klettenberg, den so zu nennen ist feststehend die alten Kirchenbücher, nicht bloß Prediger des Ortes, sondern auch gräflicher Hof- und Schloßprediger war. Das adlige, zur Dotation des Pfarrers vermachte Gut, scheint übrigens vordem den Namen des Compensischen Gutes geführt zu haben; denn I p. 10 steht von der Hand des damaligen Kantors Nicolaus Koch geschrieben...
Die Abgaben (Zinsen) und Verpflichtungen zur Pfarre waren zur Zeit des Chronisten häufig in Naturalien zu entrichten. Aufgrund einer anstehenden Separation wurden sie in Geldwerte umgewandelt. So mußte da Amt neben der Bestellung von Acker und der Abgabe von Hafer und Roggen jährlich 9 Thaler 10 Groschen entrichten.
Weiterhin waren drei Güter in Branderode, ein Gut in Mackenrode sowie das Wolframsche Gut in Klettenberg zu Abgaben verpflichtet. Ebenso hatte die Pfarre das Recht zur Ausrodung der königlichen Hölzer bei Klettenberg. Offensichtlich war auch das Stift Walkenried zu Abgaben verpflichtet, denn Pfarrer Wernicke führt in der Chronik an, daß sich schon der Schloßprediger Urbani bemüht hat, diese Abgaben herbeizuschaffen, allerdings ohne Erfolg.
Über die ursprüngliche Ausdehnung des Pfarrgrundstücks ist in der Chronik von 1837 zu lesen:

Der Pfarrgarten ist jetzt nicht mehr so, wie er ursprünglich war. Denn in seinem ursprünglichen Zustande ging und lag er in der Breite des Pfarrgehöftes it est von der Burgstraße der St. Georgii Kirche bis zur Westachse der Pfarrscheune - hinter der Pfarre bis zum Zaune, in der Mitte des Haiberges, welcher ihm davon trennt und lag also zwischen dem großen Schloß und dem von Mandelsloheschen Garten, die auch mit diesem Zaune endigen.

Die Pfarre besaß also nicht die Stärke ihres jetzigen Baumgartens, welcher von der Pfarrscheune bis zum Heller liegt, auch nicht ihren jetzigen Gemüsegarten, zwischen Pfarre und Mandellohischen Scheuer. Beide Stücke wurden eingetauscht für ein Stück, welches von dem jetzigen Pfarrzaune in der Breite des Pfarrgehöfts hinauf bis zum vorgenannten Zaune am Haiberg lief: Der aus Liebhagberei hervorgegangene Wunsch sich ein Blumengärtchen zu verschaffen, soll den 1768 von hier versetzten Pastor Thilo veranlaßt haben, das größere jetzt zum Schloßgarten gehörige Stück gegen die beiden bezeichneten, kleineren (in Grenzen) zu vertauschen. Schreiber ist der Meinung, daß wohl auch die Nachkommen der Burg mitgewirkt haben. Damit will er sagen: Thilo hat solches wahrscheinlich auch alswegen damit die Pfarre zum Wasser des Hellers kommen und er holen konnte, was sie vor dem Tausche nicht auf eine Pacht annehmen durfte, da das am Heller liegende Stück der Pfarrobstgarten noch nicht zu ihr gehörte ...

Im Zusammenhang mit dem Bau der Schule beklagt sich der Chronist über die fehlende Möglichkeit einer Erweiterung des Pfarrhofes, da es ihm offensichtlich an Wirtschaftsgebäuden fehlte. Weiterhin geht an dieser Stelle der Chronik hervor, daß die Schule seit 1718 schon existiert haben muß, da in diesem Jahr das Claushaus (vorherige Schule) verkauft wurde. Das Pfarrwohnhaus wurde im Jahre 1828 bis an die Schulmauer erweitert.

  1. Die Kirche hat keinen Turm. Ob beim Bau jeweils ein Turm geplant war, ist unbekannt.
  2. Die Bezeichnung "Gut" wird in der Chronik nicht in unserem heutigen Verständnis benutzt, sondern bezeichnet einen Bauernhof.

Teil 3: Die Güter an der Burgstraße

In diesem Bericht zur Klettenberger Kirchenchronik (Pfarrer Wernicke, 1837) sollen die Güter (Höfe) entlang der Burgstraße behandelt werden. Heute werden alle diese Güter in einer völlig anderen Weise genutzt als damals. Trotzdem scheint es mir wichtig, darüber zu berichten, weil man heute noch erkennen kann, wie die Burgstraße einmal ausgesehen haben muß. Pfarrer Wernicke widmete jedem Gut ein eigenes Kapitel.

Das vormals "von Mandelsloh`sche Gut" (Burg No. 8) liegt westlich der Pfarre. Gemäß Klettenberger Flurbuch von 1822 gehörten zu diesem Gut 140 6/16 Acker Land und 33 14/16 Acker Wiesen. Zur Zeit Pfarrer Wernickes war dieses Gut zur Domäne geschlagen, die es bis 1945 als Schäferei nutzte. Noch heute ist die Hofanlage gut zu erkennen. Die Gebäude bilden ein Quadrat (das Wohnhaus des Schäfers an der Burgstraße, zwei Schafställe an der West- und Nordseite sowie eine Scheune, die an das Pfarrgrundstück grenzt). Der Schafstall an der Westseite wurde erst 1997 abgerissen. Nördlich der Hofstelle befindet sich ein Teich, der Heller.
Hierzu schreibt Pfarrer Wernicke:

Sein Wasser erhält er nicht bloß aus dem wilden Zulaufe des Regenwassers aus dem bergigen Thale des (großen) Schloßgartens, sondern aus einer in ihm selbst an seinem Ostende, an der Ecke des Pfarrgartens befindlichen, stets fließenden starken Quelle. Dieser ihn speisende Strudel soll der Sage nach aus dem Vogelsang kommen, wo sich eine Schleuse in dem Graben befindet, die aus diesem Wasser ableitet, das im Berge verschwindet, unter dem Haiberge, Kunstberge weggehen und hier seinen Ausgang haben soll ...

Weiterhin gehen aus der Chronik weitere Besitzer des Gutes hervor:

  • Im Jahre 1671 gehörte es der Familie von Tettenborn.
  • Bei einer Taufe am 18. April 1688 wird als Herr und Besitzer der Obrist von Mandelslohe zu Fronterode genannt.
  • Zur Zeit König Friedrich Wilhelm I. (1713 - 1740) wurde das Gut für 8.000 Thaler angekauft und dem Amt zugeschlagen.

Wüste Stellen

Westlich der Schäferei schloß sich Wall und Mauer der ehemaligen Burg und Festung an. Direkt an der Burgstraße ist heute noch eine Erhöhung zu sehen, unter der Pfarrer Wernicke noch Turmreste oder Kellergewölbe vermutete. Der Chronist meint, das hier ebenfalls ein Gut gestanden haben muß. Als Besitzer führt er von Rockow, danach Hesseroth auf. Danach gehörte es zum großen Schellerschen Gut.

Das Wolframsche Rittergut

bildet den Anfang der Burgstraße auf der Südseite. Zu ihm gehörten neben der niederen Jagd und Lehen noch 39 8/16 Acker Land, 8 4/16 Acker Wiesen und eine Schäferei (Flurbuch von 1822).
1835 wurde es mit Consens der Königlichen Regierung an einzelne hiesige Einwohner verkauft. Als Vorbesitzer gehen aus der Chronik hervor:

  • Herr Jacob Wolfram,
  • dessen Schwiegervater Schwoppe,
  • von diesem der Schwiegervater Hans Engel (1693)
  • Pastor Hesse (Hochzeit mit Anna Christiane Sophie Weiland am 12. Februar 1726)
  • Pastor Berzelius Weiland, Burgsaß (am 27. August 1730 in der Oberkirche begraben)
  • von 1640 - 1671 die Familie von Werther.

Das große Schellersche Gut

Ostwärts von den obrigen liegt das Rittergut des Oberamtmanns Conrad Wilhelm Scheller, auch der untere Hof genannt. Dasselbe hat in verschiedenen Fluren 11 Hufe Land und Wiesen. In Clettenberger Flur lagen 14 4/16 Acker Garten, 12 Acker Wiesen 290 4/16 Acker Land (Flurbuch 1822). Jagdgerechtigkeit, Lehen, Zinsen und Schäferei mit 550 Stück besitzt dasselbe gleichfalls. Im Hof befand sich ebenso wie auf dem kleinen Schellerschen Gut ein Brunnen. Diese beiden waren die einzigen im ganzen Ort (Anmerkung 1 und 2).

Die Geschichte dieses Rittergutes geht bis in den 30-jährigen Krieg zurück. Aus der Chronik können folgende Vorbesitzer genannt werden:

  • Der Amtsrat Johann Christian Scheller (Vater von Conrad Wilhelm Scheller), der 1791 aus dem Halberstädtischen hierher zog, und am 26. September 1804 verstarb.
  • 1752 der Kammerrat und Ritter Friedrich Volkmar Husung (19. November 1759 gestorben)
  • 1671 brach ein Feuer auf dem Gut des Junkers Caspar Heinrich von Mützschefahl aus, das die große Scheune in 3 Minuten in Asche legte.
  • 1648 heiratete am 19. November Junker Caspar Heinrich v. Mützschefahl eine Tochter des Obersten von Sternfeld.

Bis zum Ende des Krieges war das Rittergut in Besitz von Hickethier, der hier Augenheilkunde betrieb. Dieser Name taucht erstmals 1850 in der Chronik auf.
Nach dem Krieg wurde die Hofstelle des Rittergutes von der LPG genutzt. Durch einen Brand wurde ein Teil der Stallungen zerstört. Dieses Gebäude ist heute mit einem Flachdach versehen. Die Westseite war früher bebaut. Die große Scheune an der Straße existiert ebenfalls nicht mehr. Im Wohnhaus (Südseite) ist heute die Gemeindeverwaltung untergebracht. Dieses Gebäude ist noch voll-
ständig erhalten und hat besonderen baugeschichtlichen Wert.

Das kleine Schellersche Gut

Oberhalb des großen Schellerschen Gutes liegt der kleine Schellersche Hof, der ebenfalls ein Burgsassengut war. Hierzu gehörten ein Garten, 26 Acker Wiesen, 120 Acker Land, untere Jagd, Lehen, Zinsen und Schäferei von 300 Stück.
Oberamtmann Scheller erstand es für fast 9.000 Thaler. 1835 baute er in den Garten einen großen Schafstall, der von der Torfahrt des Unterhofes bis an die Torfahrt des Oberhofes die Burgstraße heraufgeht. Das Gut mußte an die damalige Schule 3½ Sack Roggen entrichten. In der Chronik werden folgende Besitzer aufgeführt:

  • Familie von Wernrode am 10. März 1623 starb Wincenz von Wernrode, am 24. Februar 1624 hielt Otto Heinrich von Wernrode sein adliges Beilager. Er starb 1626 an der grassierenden Pest und seine frau zog nach Mackenrode.
  • Familie von Mützschefahl, die es in Folge der Kriegswunden 1656 an die Pfefferschen Erben und 1671 an die Stangenschen Erben versetzten. 1741 wieder im Besitz der Familie von Mützschefahl.
  • Familie Husung um 1750
  • Familie Hoefer 1763, 1773 wird Justitanus und Rittersaß Höfer als trauzeuge genannt.
  • Der Amtsrat Johann Christian Scheller kaufte das Gut 1791 für 18.000 Thaler
  • Seine Erben verkauften es an Andreas Köhler aus Haferungen, der es seit 1819 besessen hat und 1833 wieder schuldenhalber verlor.
  • Oberamtmann Wilhelm Scheller kaufte 1833 den väterlichen Besitz zurück.

Hier wird deutlich, welch wechselvolle Geschichte ein Hof erfahren kann.

Das Ritter- und Burgsassengut im Dorfe

liegt am Wege nach Neuhof dem Schnepfenwald des Amts, schräg gegenüber. Es stand sonst in der Burg auf der wüsten Stelle (siehe oben). Es hatte die niedere Jagd, Lehen, Zinsen; aber keine Schäferei. Zu ihm gehörten 1 8/16 Acker Garten, 12 5/16 Acker Wiese und 106 6/16 Acker Land. Der damalige Besitzer war Wilhelm Hesse, ein Ackermann aus Obersachswerfen, der es durch Zukauf auf fast 180 Acker Land brachte.

Vorbesitzer war der Hauptmann Ernst Ehrenreich von Rockow, der es 1765 kaufte und am 24.3.1807 starb (Anmerkung 3). Am 5. Oktober 1765 wurde dem Hauptmann hier das erste Kind geboren. Rührend war seine Copulation mit seiner bis dahin Zuhalterin Catharine Magdalene Wilken am 21.1.1773. Nachdem die Verlobten die Ringe gewechselt und sich die Hände gegeben hatten, mußen 4 bereits gezeugt Söhne ihre Hände auf die Hände der Eltern legen. Einer dieser Söhne, Friedrich Claus Anastasius ging am 18. März 1779 auf die Jagd, und am Morgen des 19. Fand man ihn auf dem Felde (Nösselthal) erschossen. Er war 15 Jahre alt und hatte Hand an sich selbst gelegt, wie damals berichtet wurde.

Vor von Rockow besaß das Gut die Familie Winsel.

Von allen hiesigen Burgsassen hat dieses Gut den Vorzug der bequemen Lage und die Nähe des hinter seinem Gehöft fließenden, durch Röhren auf den Hof selbst geleiteten Wassers. Den Garten, welcher seitlich am Wohnhaus lag, hatte es ehedem nicht; er war Gemeinderasen und ist für ein anderes Stück am Fuhrwege über dem Schellerschen Ackerstück am Klausfleck eingetauscht (Anmerkung 4).

  1. Der Chattenborn (heute: Gatterborn) liegt in einer Kirschplantage nördlich des Kunstberges und gehörte ebenfalls zum großen Schellerschen Gut. Dazu schreibt der Chronist:
    Er ist übermauert und Wohltat für das mit unbrauchbarem Kalkwasser heimgesuchten Clettenberg. Dies umso mehr, da bis jetzt der Brunnen noch nie, auch nicht in den trockensten Jahren versiegte und der einzige auch, der Wasser spendend war ... es bittert, schmeckt bitterlich, wenn mit demselben Fleischsuppe bereitet wird.
  2. In der Nordostecke des Hofes steht noch ein Wasserturm mit Füllstandsanzeige.
  3. Ernst Ehrenreich von Rockow wurde 1728 zu Treckwitz in der Altmark geboren, war sechs Jahre Page Friedrichs des Großen; hatte den Siebenjährigen Krieg im Regiment von Steuben mitgemacht und in demselben 7 Wunden erhalten.
  4. Obwohl aus der Chronik nicht genau hervorgeht, um welche Hofseite es sich hier handelt, so ist zu vermuten, daß es sich um das spätere Grundstück der Familie Börgardts handelt, die hier eine Gipsfabrikation aufbauten und lange Jahre ihren Stammsitz hatten.

Karl Schmidt, Klettenberg