Geschichte des Ortes Klettenberg

Eingebettet in bewaldete Hügel, Felder und Wiesen liegt malerisch der Ort Klettenberg mit einer Fläche von 600 ha am Rande des Südharzes inmitten eines Karstgebietes. Erwähnenswert ist der Durchfluß des Bächleins Uffe, der ursprünglich keinen natürlichen Zufluß hatte und durch die Mönche des Klosters Walkenried künstlich angelegt wurde. Dies war die Voraussetzung, daß später in der Ortslage Klettenberg allein fünf Wassermühlen (Rollfinke, Apel, Petri, Sander, Rohloff) entstanden. Im Nachbarort Holbach entstanden ebenfalls drei Getreidemühlen, die durch das Wasser der Uffe ange-

trieben wurden.
Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Burg Klettenberg verbunden, die sich einst bis an den Mühlengraben der Uffe ausdehnte und von Westen über einen Damm zu erreichen war. Der genaue Ursprung läßt sich heute nicht mehr feststellen.
Die höchste Erhebung ist der "Tempel", auf dem in grauer Vorzeit der Gott Crodo verehrt wurde. Angeblich wurde schon zur Zeit der Hunnenstürme eine Befestigungsanlage auf diesem Gelände errichtet. Beides ist jedoch dem Sagenhaften zuzuschreiben und nicht belegbar.
Man schreibt das Jahr 1087 als der Bau der Burg Klettenberg beginnt. Der Titel des Burgherren lautet: "Comes de Clettenberg". Erst 1187 wird der erste gräfliche Titel "Albert von Klettenberg" erwähnt. Die Abstammung des Grafengeschlechtes ist jedoch bis zum heutigen Zeitpunkt ungeklärt (Herren von Ballhausen?).
In jenem Zeitabschnitt gehörten zur Grafschaft Klettenberg vier Gerichtsstätten: Klettenberg, Uchten-
Felde, Wessungen und das Halsgericht in Nordhausen. Das Halsgericht war unabhängig von der Ge-
richtsstätte der freien Reichsstadt Nordhausen.
Im Zeitraum 1219 bis 1253 lag der Graf von Klettenberg in Fehde mit dem Grafen von Hohenstein. Diese endete mit der Einnahme der Grafschaft Klettenberg durch Grafschaft Hohenstein im Jahre 1256.
Ein Blick in die Zeittafel des Ortes verrät viel interessantes:
  • 1322 erste Erwähnung des Dorfes "Auf dem Damme zu Klettenberg"
  • 1418 wird das Schloß Klettenberg durch einen Brand zerstört
  • 1506 wird das Pfarrkirchdorf Klettenberg mit Pleban und einem Vikar erwähnt
  • 1603 werden zwei Glocken (83 cm und 50 cm) für die Dorfkirche gegossen, die Dorfkirche "Beatae Mariae Virginis" ist heute nicht mehr vorhanden
  • 1618 Beginn des 30-jährigen Krieges, während diesen Krieges herrschte sehr viel Leid und Unheil im Ort
  • 1625 Tilly befestigt die Burg Klettenberg - Reste der Anlage sind noch erkennbar
  • 1628 "Harzschützen zerstörten das Dorf; Wallensteins Truppen verwüsteten die Burg, auch die Burganlagen wurden arg geschunden bzw. abgerissen
  • 1647 Oberst v. Birkenfeld läßt die St. Nicolaikirche bauen: Die Dorfgemeinde und die Schloßge-meinde nutzen die Kirche gemeinsam
  • 1648 Westfälischer Frieden: Burg mit der Grafschaft Klettenberg kommen zu Brandenburg
  • 1649 Große Kurfürst v. Brandenburg gibt die Grafschaft zu Lehen an die Grafen v. Sayn-Wittgenstein
  • 1672 wurde auf der "Münze" minderwertiges Geld mit hohem Kupfergehalt geprägt Die "Münze" ist eine höher gelegene Wiese am Ortsausgang in nordwestlicher Richtung, die noch heute diesen Namen trägt.
  • 1702 wird der Besitz wieder eingezogen; seitdem ist die Burg eine staatliche Domäne
  • 1703 Umbaubeginn der St. Nicolaikirche, Kanzel mit Holzfiguren (1706) werden geschaffen
  • 1790 Bau des gräflichen Flügels "Redoutensaal" (Reste noch vorhanden); er wurde später als Korn-boden und Kuhstall genutzt; Klettenberg wird königlich-preussische Domäne, das "Herrenhaus" wird aus Resten der Burg erbaut.
Von 1800 bis ca. in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts wurde die Wasserkunst aus den Resten der "Petri"-Mühle für die Wasserversorgung der Burgbewohner ermöglicht.
Im Jahr 1848 herrschte in Klettenberg große Armut und Hungersnot unter der einfachen Bevölkerung, da das gesamte Land dem Rittergut, der Domäne und dem Pfarrer gehörte. Der Erwerb von Nahrungsmitteln - wie Kartoffeln und Getreide - war auf Grund zu hoher Preise fast unmöglich und die Menschen sehnten sich danach, selber Land zu bearbeiten. Es kam zu einem Aufstand gegen die Landbesitzer des Dorfes. Die einfachen Leute verlangten, das man ihnen Land übergeben soll, wovon sie sich ernähren konnten. Dem Druck gaben die Landbesitzer nach und es wurde das Land am Heuberg an die Aufständischen vergeben. Allerdings war der Boden die schlechteste Qualität in der gesamten Ortslage.
Die Zeit der beiden Weltkriege forderte auch in Klettenberg ihre Opfer. So fielen im 1. Weltkrieg 24 und im 2. Weltkrieg 42 Bürger. Am Volkstrauertag des Jahres 1994 wurde deshalb zu Ehren der 42 Toten der Gemeinde Klettenberg aus dem 2. Weltkrieg ein neues Kriegerdenkmal eingeweiht, welches neben dem Denkmal der Gefallenen des 1. Weltkrieges steht.
Schon nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich bald eine starke ökonomische Basis, teilweise auch geographisch bedingt, beispielsweise durch die Mühlen. Desweiteren gab es Tischler und Stellmacher, Schmiede, Schuhmacher, Sattler, Leineweber, Fuhrunternehmer und zwei Gasthäuser mit Saal. Eine große Molkerei verarbeitete die angelieferte Milch der Bauerngehöfte aus ca. 13 Ortschaften der Umgebung.